Berlin - „Omas gegen Rechts“, „Ficken für den Regenwald“ oder auch „Kissenschlachten gegen Populisten“ – Protestaktionen in Deutschland sind vielfältig und kreativ, besonders jene für Toleranz und gegen rechtes und rechtsextremes Gedankengut.

Auch zwei Berlinerinnen haben ihre ganz eigene Form des Protestes gefunden. Bereits seit 2015 jodeln sie unter den Künstlernamen Commandanta Elenos und Admirabla Gaya als die Band „Esels Alptraum“ oder auch als Jodelbande „Jogida" – „Jodel-Offensive gegen Idiotisierung durch Angst“ zusammen gegen Rechts.

Jodeln als politischer Protest

Abseits der Bühne ist eine der beiden Mitinhaberin eines Fahrradgeschäfts mit Werkstadt in Berlin und die andere schreibt derzeit an ihrer Dissertation. Kennengelernt haben die beiden Frauen sich in einem Berliner Jodelchor und schnell festgestellt, dass sich auch politisch ähnliche Interessen verfolgen.

Auf der Website von „Esels Alptraum“ erklären die 59-jährige Gaya und die 33-jährige Elena, dass das Jodeln ein schlechtes Image habe und bisher vor allem konservativ besetzt sei. Das wollen die beiden Berlinerinnen ändern. „Reclaim the Yodel“, rufen sie in ihrem ersten Jodel-Tutorial-Video und geben sich selbst die Mission „die Jodelei aus der für viele Ohren immer noch bestehenden unheilvollen Allianz mit der geistigen Verkrustung zu befreien.“

„Unser erster Text ist aus irgendeinem blöden Volkslied entstanden. Das hat uns Spaß gemacht und so sind wir zusammengekommen“, sagt Gaya. Seitdem schreiben die beiden Berlinerinnen gemeinsam Lieder unter dem Motto „Love Yodel! Hate Fascism!“.

„Jodel-Offensive gegen Idiotisierung durch Angst"

2017 wurden die Jodlerinnen von einer Anwohnerinitiative in Berlin-Mitte angesprochen und gefragt, ob sie bei einer Gegendemonstration zu einem Nazi-Aufmarsch einen Jodelworkshop geben wollen. „Damit wir da nicht einfach stehen und jodeln, haben wir uns überlegt, wie wir das Ganze mit einem Namen und Kostümierung witzig gestalten können“, erinnert sich Gaya. „Jogida“ – die „Jodel-Offensive gegen Idiotisierung durch Angst“ war geboren.

In pinkem und violettem Camouflage, mit Patronengurt behängt und Militärmützen auf den Köpfen traten Commandanta Elenos und Admirabla Gaya gemeinsam mit ebenso kostümierten Demonstrantinnen und Demonstranten auf: „Und die Leute haben mit Begeisterung mitgemacht, obwohl man Jodeln auch nicht in drei Stunden lernt. Aber das war egal.“

Jodeln gegen Rechts ist beliebt

Mittlerweile sind Gaya und Elena fast jede Woche für Auftritte auf beispielsweise Demos, Lesungen, Festivals oder auch mal einem 80. Geburtstag gebucht. Das Spektrum ist vielfältig: „Das ist auch etwas, das uns ausmacht – wir passen überall rein.“

Und auch in diesem Jahr werden die beiden Berlinerinnen nach eigener Aussage fast jedes Wochenende zum Jodeln unterwegs sein. Das nächste Mal am Frauentag in Rostock.