Es glich einer  Sensation, als der gestohlene Nachlass John Lennons in Berlin aufgetaucht war. Die Polizei präsentierte die  Gegenstände im November 2017 im  Landeskriminalamt mit großem Bohei. Es waren sehr persönliche Dinge aus dem Nachlass des Ex-Beatles: Seine Tagebücher, eine Brille, ein Tonbandmitschnitt eines Beatles-Konzerts, ein Schulheft, Lennons Etui mit zehn Zigaretten der Marke Gitanes, die mit einem Bleistift niedergeschriebenen Noten vom Beatles-Hit „Woman“.  Dinge  von „musikhistorischer Bedeutung“, wie es die Polizei damals formulierte. Dinge, die 2006 aus der Wohnung von Lennons Witwe Yoko Ono im Dakota Building in New York gestohlen worden waren.

Wenige Tage vor der stolzen Präsentation des Diebesgutes  hatte die Polizei den Mann festgenommen, der den geklauten Nachlass bei einem Online-Auktionshaus zu Geld gemacht hatte und bei dem die Fahnder noch weitere Lennon-Devotionalien fanden.  Erhan G., ein Pizzeria-Betreiber aus Kreuzberg. Er gestand die Tat. Im November vorigen Jahres wurde gegen ihn Anklage erhoben.

Und dann? Wie die Berliner Zeitung am Donnerstag erfuhr, ist der 59-jährige Erhan G. mittlerweile still und leise und ohne öffentliche Verhandlung vom Amtsgericht Tiergarten verurteilt worden.  Nach Angaben von  Lisa Jani, der Sprecherin der Berliner Strafgerichte, habe Erhan G. bereits am 27. Februar diesen Jahres einen Strafbefehl erhalten. Er sei darin wegen gemeinschaftlicher Hehlerei zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das sei die höchstmögliche Strafe in einem Strafbefehlsverfahren, sagte Lisa Jani. Zudem müsse Erhan G.  jeweils 25.000 Euro an die Opferhilfe und die Berliner Justiz zahlen. 

Hehler klaute Lennon-Tagebücher: Diebesgut war wohl zunächst am Bosporus 

Doch Erhan G. war nur derjenige, der im Oktober 2014 die 87 gestohlenen Gegenstände aus dem Nachlass Lennons dem Online-Auktionshaus Auctionata zur Versteigerung angeboten und dafür einen Vorschuss in Höhe von 785.150 Euro kassiert hatte – 25 Prozent des Schätzwertes der persönlichen Dinge des Ex-Beatles. Seinen Anteil an dem Geld, nämlich 327.830,76 Euro, habe Erhan G. bereits zurückgezahlt, sagte Lisa Jani.

Und der andere Teil? Den hat vermutlich ein weiterer Tatverdächtiger, der mit Haftbefehl gesucht wird: Koral K., der frühere Chauffeur und Leibwächter Yoko Onos. Er soll die persönlichen Dinge Lennons heimlich Stück für Stück entwendet haben.  Er wurde damals verdächtigt und später auch festgenommen, nachdem er Yoko Ono erpresst hatte. Koral K. hatte  von der Lennon-Witwe einen Millionenbetrag gefordert, ansonsten würde er pikante Fotos veröffentlichen. Koral K. saß nicht lange in Haft, er kam auf Kaution frei und setzte sich in die Türkei ab.

Die Ermittler gehen davon aus, dass er das wertvolle Diebesgut zunächst mit an den Bosporus nahm. Und das er später Erhan G. übergab, der es zu Geld machen sollte.  Die Männer wurden Geschäftspartner, nachdem Erhan G. dem einstigen Lennon-Chauffeur in Berlin offenbar beim Kauf eines Hauses geholfen hatte.

Hehler aus Berlin klaute Nachlass von John Lennon 

Erhan G. soll mehrfach versucht haben, die gestohlenen Gegenstände an den Mann zu bringen. Doch erst das Berliner Online-Auktionshaus zeigte Interesse. Die Firma habe zunächst nur eine Uhr mit einer Widmung Yoko Onos, dann die weiteren Gegenstände des Ex-Beatles gekauft, erklärte die Staatsanwaltschaft damals. 

Die Uhr war Onos  letzte Geburtstagsgeschenk an John Lennon, bevor er am 8. Dezember 1980 in New York von einem verwirrten Mann erschossen wurde. Die Uhr wurde von dem Auktionshaus für 600.000 Euro weiterverkauft.

Im Juli 2017 stieß der Insolvenzverwalter des Online-Auktionshauses auf die 86 noch vorhandenen persönliche Gegenstände Lennons, darunter die drei Tagebücher von 1975, 1979 und 1980. Er informierte das Landeskriminalamt. Der sichergestellte Nachlass wurden mittlerweile an den Anwalt Yoko Onos übergeben.