Gut im Geschäft mit Band und Bühne: Jonas Nay.
Foto: Christian Schulz

BerlinBald startet „Deutschland 89“, die dritte Staffel der „Deutschland“-Serie mit Jonas Nay in der Hauptrolle, auf Amazon Prime Video. Diese Serie, die weltweit lief, hat Nay Türen geöffnet. Er wird inzwischen auch zu interessanten Castings für internationale Produktionen eingeladen. Eines wusste der 29-Jährige bisher allerdings immer zu verhindern: „Meine Karriere hat noch nie die Musik beeinträchtigt. Ich verbringe mehr Zeit mit der Musik als bei den Filmdrehs.“

Mehr als die Hälfte des Jahres gehört seiner Band Pudeldame. Und während der Dreharbeiten entstehen in den Drehpausen die neuen Lieder: „Da fallen mir die meisten Songs ein.“ Die Jungs seiner Band müssen also, so lautet seine Botschaft, niemals auf seinen anderen Beruf eifersüchtig reagieren. Was auch mit Nays mangelnder Vorstellungskraft zu tun hat: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Leben ohne Musik aussehen würde.“ Bald wird Nay seinen Bachelor of Arts haben, den er mit dem Hauptfach Jazz-Piano gemacht hat. Mit diesem Abschluss könnte er als Lehrer arbeiten. „Ich habe gerade ein Schul-Praktikum in Musik und darstellendem Spiel absolviert.“

Auf den Lehrerberuf wird es allerdings mit großer Sicherheit nicht hinauslaufen. Wenn die Pandemie nicht gerade so ziemlich alles zum Erliegen gebracht hätte, würde Jonas Nay dieser Tage bei der Produktion von „Little Amerika“ in der Eifel vor der Kamera stehen. Bei diesem großen historischen Mehrteiler gab es wegen Corona einen Drehstopp. „An den Wochenenden während des Drehs gab es schon die ersten Konzerte der Tournee. Innerhalb von wenigen Tagen war alles vorbei.“

In der Ruhe der vergangenen Wochen produzierte seine Band weitere Songs: „Wir haben gerade die beiden Titel ‚2006 Love‘ und ‚Plastik‘ aufgenommen. Tanzbar mit viel Augenzwinkern. Die werden live viel Freude machen.“ Jonas Nay betont, dass die Bandmitglieder nicht einfach so weitergemacht haben wie zuvor: „Natürlich haben wir auf Abstand aufgenommen! Mit dem Lied ‚Zampano‘ haben wir ein Ventil gefunden, wo wir musikalisch und visuell alles rauslassen können.“

Der Musiker kann also nicht klagen, der Schauspieler schon eher: „Ich merke, dass mir durch die Zeit der Isolation inzwischen Inspiration fehlt. Die ziehe ich normalerweise aus der Interaktion mit Menschen. Ich bin ein lebensfroher Mensch, mag Leichtigkeit. Das fehlt. Mir tut das nicht gut.“ Nay fehlt die Leichtigkeit auch im Alltag. „Ich spüre eine große Verunsicherung, finde schwierig, wie die Stimmung in der Gesellschaft zu kippen droht, weil wir Menschen nun mal nicht für Isolation gemacht sind. Neben der körperlichen Gesundheit gibt es ja auch die psychische.“ Er hofft, dass sich durch die Pandemie-Erfahrung einiges ändert. „Vielleicht wächst ja ein Bewusstsein dafür, wie verantwortungslos es ist, sich mit offensichtlichen Symptomen für eine Krankheit auf Arbeit zu schleppen und dort die Kollegen anzustecken.“

Er selbst war auch so drauf, weil er glaubte, etwas nicht verpassen zu dürfen: „Ich habe früher mit deutlichen Anzeichen für eine Erkältung in der Vorlesung gesessen, das würde ich heute nicht mehr so machen.“

Nay ist sich klar darüber, dass es nicht auf einen Schlag so sein wird, wie vor der Pandemie: „Wenn es dann mit den Konzerten wieder losgehen kann, wird das ein Freistrampeln für Künstler und Publikum. Wieder unbeschwert Kunst genießen, sich nahe zu kommen, zu berühren – wir brauchen Zeit für die Normalität.“ Für die ausgefallenen Konzerte seiner Band Pudeldame, deren Musik Jonas Nay als „Kampfansage an den Betroffenheitspop“ bezeichnet, gibt es jetzt neue Termine.

Das im Berliner Privatclub wurde auf den 2. Oktober verlegt. Wie beim ersten Konzert dort vor vier Jahren hat die Band immer noch keine Roadies, muss also die Technik wieder selbst auf- und abbauen. Es ist sogar noch schlimmer geworden: „Wir haben jetzt eine Bühnendeko, deren Aufbau dermaßen aufwendig ist, dass das länger als der Soundcheck dauert.“

Fans, die sich bei der Band einschmeicheln wollen, bieten also ihre helfenden Hände an. Wobei auch hinter dem neuen Termin noch ein zartes Fragezeichen steht. Der Sänger umschreibt es so: „Ich habe keine Lust auf ein Konzert mit ganz wenigen Menschen, mit Masken und Abstand. Da wäre ich dann schon eher dafür, das noch mal zu verschieben.“ Das hat auch mit der Art der Musik von Pudeldame zu tun: „Wir machen Dance-Mugge, das darf man nicht vergessen. Unsere Musik lebt davon, dass die Leute das abfeiern und irgendwann der Schweiß von der Decke tropft. Wenn das nicht möglich ist, sollten wir es lassen.“