Eine „grüne Brücke“ zwischen Ost und West, zwischen Prenzlauer Berg und Wedding, sollte die Max-Schmeling-Halle sein. Einst verlief dort die Mauer. Das Hallendach liegt zu zwei Dritteln unter Erde und Gras. Die Hänge der Halle und des angrenzenden Jahn-Stadions machen den Mauerpark zum Abenteuerspielplatz, das Gelände zu einer grünen Oase. Dazu passt, dass es vor der Halle keine Parkplätze gibt. Nur Erstbesucher oder Hartgesottene quälen sich mit dem Auto durchs dichte Wohngebiet.

Das Konzept der Max-Schmeling-Halle, ursprünglich als Boxhalle geplant, klingt bis heute modern und sehr berlinisch, die Anti-Auto-Politik inklusive. Dabei ist die Halle 20 Jahre alt. Benannt wurde sie vom Senat nach dem Boxer Max Schmeling. Dieser winkte auch bei der Eröffnungsfeier am 14. Dezember 1996 ins Publikum. Damals war durchaus nicht ausgemacht, welche Erfolgsgeschichte der Neubau schreiben würde – ein paar Wochen später begann der Betrieb. Schmeling selbst starb 2005.

Dabei schien die Veranstaltungsbranche nicht gerade auf die neuen Hallen – zeitgleich startete das Velodrom an der Paul-Heyse-Straße – zu warten, die als Multifunktionsarenen für Sport, Konzerte und Shows konzipiert waren. Ein paar Vor-Urteile lauteten: „zu klein“, „zu teuer“, „nur eingeschränkt nutzbar“, „eine städtische Fehlplanung“. Nicht alles hat sich bewahrheitet.

Die Ablehnung hatte mehrere Gründe. Veranstalter hatten lange Jahre gute Erfahrungen mit der betagten Deutschlandhalle auf dem Messegelände im Westen gemacht, in die 15.000 Besucher passten. Am Ende konnte nicht einmal der Denkmalschutz den Abriss verhindern. Und dann war da die Größe: Zwei Hallen für je gut 10.000 Besucher – wer braucht das?

Nun, das Velodrom startete am 6. Februar 1998 mit Genesis in die neue Zeit, die Max-Schmeling-Halle erlebte drei Monate später mit Herbert Grönemeyer ihr Debüt. Seitdem gab es hier wie dort unzählige Konzerte und Veranstaltungen.

Kein Platz für die Stones

Innerstädtische Lage und Größenbeschränkung führten dazu, dass etwa die Rolling Stones nie am Falkplatz spielen würden und könnten. Allein die 120 Trucks, die die Rock-Veteranen für ihre gigantischen Shows anrollen lassen, hätten keinen Platz. Schon die zehn Laster, die die Gorillaz für ihr Konzert am nächsten Freitag mitbringen, sind eine logistische Herausforderung.

Die entscheidende Weichenstellung in der Hallenbranche war jedoch 2008 die Eröffnung der damaligen O2 -Arena auf einer Wüstenei am Ostbahnhof. 17 000 Besucher finden dort Platz. „Das gab einen Knick bei uns“, sagt Sybil Franke, Co-Geschäftsführerin von Velomax und zuständig für das Booking. Seitdem ist klar, dass Taylor Swift, Rihanna oder aktuell der Groß-Zirkus Cirque du Soleil immer am Ostbahnhof zu sehen sein werden.

Die beiden Velomax-Hallen sind nicht nur kleiner, sondern auch weniger kommerziell. Das Namensrecht ist unverkäuflich, die Hallen sind weitgehend werbefrei, es gibt kein Branding. Aus diesem Mangel versuchen die Betreiber eine Tugend zu machen. „Wir konzentrieren uns auf nationale Künstler, auf junge und urbane, auf Hip-Hop und Crossover. Und natürlich auf die coolen Internationalen“, sagt Sybil Franke. Besonders stolz ist sie auf den einen oder anderen bleibenden Moment, den Velodrom und Max-Schmeling-Halle der Pop-Geschichte hinzugefügt haben.

Lemmys letzter Auftritt

Zum Beispiel der 19. Juni 2001: Die Medien berichteten von „unbeschreiblichem Jubel, Rufen und Kreischen“, mit denen Madonna empfangen wurde. Die „Queen of Pop“ legte vier fast ausverkaufte Konzerte in einer Woche hin. Oder der 11. Dezember 2015: Lemmy Kilmister war bereits krank, doch Motörhead, die „lauteste Band der Welt“, spielte. Zum letzten Mal. 15 Tage später starb Kilmister.

Doch die Halle kann auch fast andächtig. Vor drei Wochen gastierte dort Nick Cave, Sybil Franke schwärmt: „Der hat sonst immer nur klein gespielt, in Hallen mit Club-Atmosphäre. Wenn wir unseren Oberrang abhängen, schaffen wir das auch. Das war toll.“

Etwas Ähnliches wird das Ufo im Velodrom, hofft sie. Dazu hänge man den Oberrang schwarz ab. 5000 Menschen finden Platz – ideal für Bands der Größenordnung wie London Grammar (am 26. November), für die das gesamte Velodrom zu groß gewesen wäre.

Velomax feiert seinen 20. Geburtstag zusammen mit dem rbb mit einer Party am 17. November im Velodrom. Zur Party können nur geladene Gäste kommen, für das gleichzeitige Konzert von Parov Stelar gibt es dagegen noch Restkarten.