Berlin - Wenn ein Bauprojekt unter Beteiligung des Landes Berlin planmäßig fertig wird, bekanntlich keine Normalität in der Stadt, ist es die Gelegenheit, möglichst spielerisch Zahlen fallen zu lassen. Genau das macht Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) an diesem Mittwochvormittag auch, als er mit Gideon Joffe, dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, den Abschluss der Sanierung der Friedhofsmauer auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee bekanntgibt.

„Es ist ein schöner Anlass hier zusammenzukommen“, sagt Müller. Die Sanierung der Mauer sei nämlich Voraussetzung für den Erhalt der Grabmäler und Mausoleen des Friedhofs, für die Wahrung und Pflege des jüdischen Erbes, „der Friedhof ist wirklich etwas Besonderes“.

Dann fallen die Zahlen. Eine Auswahl: Vor drei Jahren wurde mit der Sanierung begonnen, 1000 Meter der 2785 Meter langen Mauer sollten saniert werden, tatsächlich aber wurden 1650 Meter geschafft, „also viel mehr als geplant“, 1087 Euro pro laufenden Meter hat es gekostet, knapp zwei Millionen Euro wurden dafür vom Bund und vom Land zusammen gegeben.

Ein Schritt in Richtung Weltkulturerbe

Viele Friedhöfe in Europa wurden im 19. Jahrhundert eingefriedet, also mit einer Mauer umgeben, ursprünglich zum Schutz gegen wilde Tiere, später auch gegen Vandalismus. Die Friedhofsmauer in Weißensee von 1880 ist deshalb besonders, weil sie Teil der Gebäudeanlage selbst ist. Der Friedhof ist einer der größten jüdischen Friedhöfe Europas, fast 116.000 Menschen sind hier begraben, darunter viele bedeutende Persönlichkeiten aus dem Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschaftsleben der Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Dazu zählen etwa der Sozialpolitiker Max Hirsch, der Schriftsteller Michael Josef Bin Gorion, der Verleger Samuel Fischer sowie der Hotelier Berthold Kempinski. Der Friedhof steht auf der sogenannten Tentativliste für die Welterbeliste der Unesco.

„Mit der Sanierung der Friedhofsmauer ist ein erster wichtiger Schritt in Richtung Weltkulturerbe getan“, sagt Müller. Und das Land Berlin habe sich vorgenommen, auch die nächsten Schritte zu tun und „die Ernsthaftigkeit unserer Bewerbung zu unterstreichen“. Berlin werde „weitere 500.000 Euro zur Verfügung stellen“. Es sei, betont er noch einmal fröhlich, wirklich etwas Besonderes, so lange und ununterbrochen dieses Kulturgut in der Stadt erhalten zu haben.