Berlin - Doron Eisenberg und Nir Ivenizki stehen in ihrem Café in der Neuköllner Allerstraße. Es riecht nach frischem Kaffee, im Hintergrund läuft angenehme elektronische Musik, die beiden Israelis witzeln in Hebräisch und lachen alle paar Minuten. Die Stimmung im „Gordon“ ist einladend, im hinteren Teil des Ladens können sich Gäste durch Platten stöbern und sie direkt anhören. Das Café ist seit mehr als zwei Jahren Teil des aufstrebenden Schillerkiezes, der besonders junge Menschen und viele Touristen anzieht. Auch die beiden Israelis hat es aus ihrer Heimatstadt Tel Aviv hierher verschlagen.

Aber warum nun gerade die deutsche Hauptstadt? „Wir sind DJs und Produzenten. Die Musik hat uns nach Berlin gebracht. Immerhin gilt Berlin als die Techno-Hauptstadt Europas“, erklärt Ivenizki seine Faszination für die deutsche Metropole. In der israelischen Mittelmeerstadt Tel Aviv waren die beiden fester Bestandteil des Nachtlebens. Mit ihren Rooftop-Partys haben sie sich einen Namen gemacht. Doch irgendwann wurde ihnen Israel zu klein. „Wir haben dort in allen möglichen Clubs gespielt, auch in Jerusalem und Haifa, doch die Möglichkeiten waren nach einigen Jahren erschöpft. Wir konnten uns nicht mehr weiterentwickeln. Außerdem unterstützt die israelische Regierung diese Szene nicht so stark“, meint Ivenizki.

Offenheit, die verbindet

Der 33-Jährige hat zusammen mit seinem 37-jährigen Kollegen das Label Legotek gegründet. Seit 2007 unterstützen sie damit Künstler aus der Elektromusikszene. „Es ist das erste israelisch-deutsche Plattenlabel“, sagt Ivenizki stolz. Die Label- und Bookingaktivitäten für die deutschen und israelischen Musiker steuern sie mittlerweile komplett von Berlin aus – auch die Platten werden hier gepresst. In der Berliner Szene sind die beiden Israelis längst keine Unbekannten mehr. Ihre DJ-Sets kann man regelmäßig in Clubs wie About Blank, Golden Gate, Sisyphos oder Tresor hören. „Das ist das Tolle an Berlin“, sagt Eisenberg, „es gibt für jede Stimmung einen passenden Club.“

Auch Tel Aviv ist für seine Ausgehkultur bekannt und beliebt. Hunderttausende Touristen kommen jährlich zum Feiern in die Stadt. Ein Höhepunkt ist das Gay Pride Wochenende, an dem rund 150.000 Menschen Tel Aviv in eine von Regenbogenfahnen umhüllte Partymeile verwandeln. Schwule und Lesben aus Israel und dem Ausland tanzen dann ausgelassen und knapp bekleidet auf den Straßen, dazu ertönen hämmernde Beats aus den Boxen. Szenen, die man auch vom Christopher Street Day in Berlin kennt. „Diese Offenheit verbindet die beiden Städte“, findet Ivenizki, trotzdem denkt er, dass die Lebensqualität, die Freiheit in Deutschland und speziell Berlin größer sei. „Viele Israelis kommen hierher wegen der Kultur, der Kunst und der Partys. Aber auch zum Studieren, denn das ist im Vergleich zu Israel viel günstiger.“

Für die beiden Labelbetreiber war der Umzug nach Berlin vor allem eine Frage der Karriere und Weiterentwicklung. „Wir wollten unseren eigenen Laden eröffnen, eine Mischung aus Café und Plattenladen, dazu gibt es typisch israelisches Essen. Das sind quasi unsere Wurzeln, die hier drinstecken“, beschreibt Ivenizki. Das Logo des „Gordon“ vereint die Wörter Berlin und Tel Aviv in hebräischer Schrift.

Die Neuköllner Atmosphäre

Bis sie den freien Gewerberaum in Neukölln gefunden hatten, vergingen fast zwei Jahre. „Wir haben lange recherchiert, welcher Bezirk zu unserem Konzept passt. Kreuzberg ist eher touristisch, Friedrichshain für die coolen Berliner und Alteingesessenen, Neukölln hat diese spezielle Atmosphäre“, beschreibt Ivenizki, der es gut findet, dass hier so viele Muslime leben. „Wir wollen friedlich mit allen zusammenleben und uns nicht von ihnen isolieren“, erklärt er.

Der Kiez erinnere ihn an das Tel Aviver Florentin-Viertel in den 90er Jahren. Der frühere Arbeiterstadtteil, der anfangs vor allem von griechischen Juden bewohnt wurde, ist durch Gentrifizierung zum neuen, hippen „Place to be“ in Israel geworden. Das Quartier befindet sich im Wandel, wie auch Neukölln. Dass sie jüdisch sind und aus Israel stammen, sei bisher immer auf großes Interesse bei ihren Gästen gestoßen. „Wir hatten noch nie Probleme oder negative Reaktionen“, sagen Eisenberg und Ivenizki, für die ihr Jüdischsein eher eine spirituelle als eine religiöse Komponente darstellt.