#image1

Was nervt Sie sonst noch?

Dass viele Seitenstraßen als Fahrradstrecke ausfallen, weil sie Kopfsteinpflaster haben. Dass fast nie an Radfahrer gedacht wird, wenn Baustellen eingerichtet werden. Dass Radfahrer bislang noch auf der Kastanienallee in Prenzlauer Berg und Mitte zwischen den Straßenbahnschienen fahren sollen – glücklicherweise baut der Bezirk die Straße mit dieser gemeingefährlichen Verkehrsführung um. Ich finde es auch bedenklich, dass man als Fahrradfahrer in Berlin immer und überall mit Gefahren rechnen muss.

Welchen zum Beispiel?

Wenn ich in Begleitung unterwegs bin, wetten wir manchmal, welches Auto als nächstes ausschert und ohne zu  blinken rechts abbiegt. Meist liegen wir dann richtig, denn so was kommt immer wieder vor. Zum Glück bin ich in Berlin noch nie gestürzt, weil  plötzlich eine Autotür geöffnet wurde – so, wie das anderen Radfahrern passiert. Allerdings fahre ich auch meist in der Straßenmitte, möglichst weit von geparkten Autos entfernt. Das nervt viele Autofahrer, ist aber sicherer.

Aber bringen sich viele Radfahrer nicht auch selbst in  Lebensgefahr?

Allerdings.  Das fällt mir häufig auf, wenn ich mit dem Wagen der Fahrbereitschaft unterwegs bin. Da sind die Radfahrer, die ohne Licht und ohne helle Bekleidung unterwegs sind – es müssen ja nicht diese albernen Warnwesten sein. Gefährlich finde ich auch die Radfahrer, die Radwege in der falschen Richtung benutzen. Vor Kurzem habe ich sogar miterlebt, wie Eltern ihrem Kind dies beibrachten. Es ist manchmal abenteuerlich, wie es hier zugeht.

Tragen Sie einen Helm? Und: Sollte es eine Helmpflicht geben?

Natürlich weiß ich, dass ein Fahrradhelm bei einem Unfall schützen kann. Aber leider trage ich ihn viel zu selten. Eine Helmpflicht lehne ich allerdings ab. Wer soll das kontrollieren? Außerdem würde sie dazu führen, dass die Zahl der Radfahrer wieder abnimmt – und wenn weniger Radfahrer auf den Straßen unterwegs sind, steigt die Unfallgefahr.

Ist Berlin die Fahrradstadt, als die sie der Senat zuweilen anpreist?

Ich habe da meine Zweifel. Wenn Sie Berlin mit anderen großen Städten in Deutschland, zum Beispiel mit meiner Heimatstadt Bremen vergleichen, ist Berlin immer noch ein großes Stück davon entfernt. Aber ich muss auch sagen, dass  sich in den vergangenen Jahren in Berlin einiges verbessert hat – wie gesagt, zum Beispiel das Netz der Fahrradstreifen. Und eines funktioniert in Berlin wirklich fantastisch:  die Kombination von Fahrrad- und öffentlichem Verkehr. Räder können ganz einfach in die Bahn mitgenommen werden. Dann geht es schnell ’raus ins Grüne. Das genieße ich.

Das Gespräch führte Peter Neumann.