Jugend-Arrestanstalt Lichtenrade: Berlins neues Gefängnis für Islamisten

Berlin - Ab der kommenden Woche gibt es in Berlin einen Islamisten-Knast. In der ehemaligen Jugend-Arrestanstalt in Lichtenrade werden Gefährder untergebracht, die abgeschoben werden sollen. In der Berliner Zeitung berichtet Ex-Knacki Klaus W. (66) über das Leben mit Islamisten hinter Gittern. Er sagt: „In den letzten zehn Jahren hat die Zahl der Radikalen in Gefängnissen extrem zugenommen. Das hat Auswirkungen auf andere Häftlinge.“

Bis zu zwölf Häftlinge werden in dem Islamisten-Knast am Kirchhainer Damm Platz finden. Bei Anwohnern stößt das auf Kritik. „Diese Leute sind unberechenbar. Das wird ein Sammelbecken religiöser Fanatiker mitten im Kiez“, beklagt sich Anwohner Hendrik S. (37).

Einer, der bereits in allen Berliner Haftanstalten gesessen hat, ist Klaus W. Als Geldräuber machte er deutschlandweit Schlagzeilen, weil er sich als Zivilpolizist ausgab und so Drogenhöhlen ausraubte. Rund 30 Jahre seines Lebens verbrachte er im Knast. Dabei fiel ihm eines auf: Die Häftlinge haben sich extrem verändert. 

„Vor 30 Jahren gab es so was wie Islamisten gar nicht in Knästen“, sagt W. Heute gebe es in fast allen Haftanstalten Gruppen, die anderen ihre Ideologie aufzwingen wollen. „Die machen so oft wie möglich Treffpunkte aus, beten fünfmal am Tag und tragen auffällige Bärte“, sagt W. „Die Männer haben alle so was wie Kleider an“, erzählt er. Gemeint ist die Kurta, ein traditionelles Kleidungsstück. Beim Essen gebe es oft Probleme. „Die kochen sich ihren eigenen Kram und bleiben unter sich.“

„Meine Generation an Verbrechern ist ausgestorben"

Bei einigen Gruppen gebe es Rädelsführer, die andere unter Druck setzen. „Mir hat mal einer von denen gesagt: Du bist erst ein Mann, wenn du einen Ungläubigen tötest.“ Als Beispiel nennt Klaus W. einen 24-jährigen Islamisten, der von Heidering nach Tegel verlegt wurde. „Der war außer Kontrolle. Hat aggressiv versucht, andere zum Islam zu bekehren.“ Das sei kein Einzelfall.

„Meine Generation an Verbrechern ist ausgestorben. Ich finde keinen mehr, dem ich vertrauen kann“, sagt der Ex-Knacki. Er führt dies nicht nur auf Islamisten zurück, sondern vor allem auf Häftlinge mit Migrationshintergrund.

„In Moabit haben rund 75 Prozent der Gefangenen einen Migrationshintergrund. In den anderen Haftanstalten sind es um die 50 Prozent“, erklärt Dr. Werner Platz vom „Runden Tisch für ausländische Gefangene“. Der erfahrene Gerichtspsychiater sieht den Islamisten-Knast kritisch: „Ich finde so etwas nicht förderlich. Die Gespräche unter den Radikalen sind ideologisch geprägt. Es besteht die Gefahr, dass sie sich dort noch mehr vernetzen.“