Die Jugendämter haben sich im vergangenen Jahr fast 8 800 mal eingeschaltet, weil sie das Wohl von Kindern und Jugendlichen gefährdet sahen. In etwa jedem zweiten Fall bestätigte sich der Verdacht, teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Dienstag mit. Bei etwa der Hälfte der gefährdeten Kinder und Jugendlichen stellten Mitarbeiter der Ämter Vernachlässigungen fest. Rund 45 Prozent waren körperlich und psychisch misshandelt worden, bei zwei Prozent mussten Verfahren wegen sexueller Misshandlung eingeleitet werden.

Seit 2012 sind Jugendämter verpflichtet, den Statistischen Ämtern Einschätzungen über die Gefahren von Kindern und Jugendlichen zu melden. Von Polizei und Staatsanwaltschaften wurden 26 Prozent der Verfahren eingeleitet. Häufig erfolgte das Bekanntwerden von Kindeswohlgefährdungen durch Bekannte, Nachbarn oder anonym (18,8 Prozent). In 13 Prozent der Fälle waren die Kita oder Schule die auslösende Einrichtung. Die meisten Verdachtsmeldungen (rund 1 400) wurden in Reinickendorf registriert. Die wenigsten Meldungen kamen aus dem Bezirk Pankow (225), obwohl dort die meisten Einwohner leben – rund 120 000 mehr als in Reinickendorf. (sd.)