Sie arbeiten doppelt so viel, um alles zu schaffen. Sie bringen Spielzeug von zu Hause mit, um Kinder zu beruhigen. Sie telefonieren mit dem privaten Handy, wenn Telefon oder Internet im Büro ausfallen. Die Mitarbeiter des Jugendamts Pankow sind mit der Kraft am Ende.

Die Angestellten im Jugendamt haben vor wenigen Tagen eine sogenannte Überlastungsanzeige gestellt. Sie sind damit nicht das erste Amt in Berlin. Auch in Neukölln, Spandau, Mitte, Marzahn-Hellersdorf und Charlottenburg sind Jugendämter völlig überlastet. In ganz Berlin sind 142 Stellen unbesetzt.

Derzeit sind 13 Stellen unbesetzt

Jetzt haben die Pankower Mitarbeiter ihren Chefs mitgeteilt, dass es so nicht weitergeht. Denn: Normalerweise soll ein Mitarbeiter 65 Klienten betreuen. Doch derzeit sind es 100 oder mehr. Die Bürger, denen sie helfen sollen, sind überforderte Eltern, drogensüchtige Teenager und schwer erziehbare Kinder. Ein harter Job, mit relativ geringer gesellschaftlicher Anerkennung. Und im Familienbezirk Pankow steigen die Kinderzahlen enorm.

Die Jugendamtsmitarbeiter klagen: Derzeit sind 13 Stellen unbesetzt, die Fluktuation ist sehr hoch. Die Zeit, um neue Mitarbeiter einzuarbeiten, reicht nicht. Die Büros sind oft zu klein, um schwierige Familien diskret beraten zu können. Wenn es zu Übergriffen kommt, braucht die Polizei zu lange, ehe sie vor Ort ist. „Die Technik ist veraltet und die Bezahlung einfach zu schlecht“, sagen die Mitarbeiter, die regelmäßig hier private Handys zur Hilfe nehmen müssen.

„Sparen wie früher müssen wir nicht mehr “

Pankows Stadträtin Rona Tietje (SPD) hat Verständnis für den Mitarbeiter-Zorn und verspricht, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen. „Wir haben in den letzten zwei Jahren in Pankow 18 neue Stellen geschaffen, ein paar von ihnen sind noch unbesetzt.“

Ihr Versprechen: Bis spätestens Anfang 2019 wird jeder Mitarbeiter nicht mehr als 65 Fälle bearbeiten müssen. Tietje will sich für eine bessere Bezahlung einsetzten, die Gebiete, für die die Mitarbeiter zuständig sind, werden neu aufgeteilt und verkleinert. Im August soll es eine Mitarbeiterversammlung geben. „Sparen wie früher müssen wir nicht mehr “, sagt die Stadträtin.