Potsdam - Prävention steht in dieser Gesellschaft meist nicht an allererster Stelle. Die Vorsorge gilt zum Beispiel bei Fragen der Gesundheit nicht als vordringlichste Aufgabe. Meist wird erst gehandelt, wenn das Problem – die Krankheit – bereits ausgebrochen ist. Nicht viel anders sieht es bei der Kriminalität und in Sicherheitsfragen aus. Dort geht es meist eher darum, die Kriminellen nach der Tat zu bestrafen, statt mögliche Opfer vorher aufzuklären und zu schützen. Deshalb soll die Idee der Vorsorge mit dem Brandenburger Präventionspreis gestärkt werden. Am Mittwoch wurde der diesjährige Gewinner bekannt gegeben.

Der Preis geht an ein Kinder- und Jugendheim in Trebbin im Landkreis Teltow-Fläming. Der zuständige Innenminister, Michael Stübgen (CDU), lobte vor allem das dortige Medienprojekt als wichtigen Beitrag zur digitalen Präventionsarbeit. Stübgen sagte: „Der Preisträger hat mit einem Medienprojekt überzeugt, bei dem Kinder und Jugendliche einen angemessenen und sicheren Umgang mit den vielfältigen Möglichkeiten des Internets lernen“, sagte er.

Das klingt sehr allgemein. Aber die konkreten Themen zeigen, wie aktuell der Ansatz ist. In einem zweiwöchigen Projekt widmen sich die Beteiligten um die Problemfelder Fake News, Verschwörungstheorien und sprechen über das Suchtverhalten und Medien.

Minister Stübgen sagte: „Medienkompetenz ist der Schlüssel für politische Urteilsfähigkeit und Teilhabe.“ Heute würden das Internet und Smartphones ganz selbstverständlich zum Alltag von Kindern und Jugendlichen gehören. Der Trend habe sich in Zeiten von Corona, von Pandemie, von Abstandsgeboten und Distanzunterricht noch verstärkt.

„Doch ein verantwortungsvoller Umgang mit der digitalen Welt und kritisches Hinterfragen von Inhalten ist jetzt wichtiger denn je“, sagte Stübgen. Das hätten die Gewinner erkannt und einen wichtigen Beitrag zur digitalen Präventionsarbeit geleistet.

Der Preis wurde zum 17. Mal vergeben. Die Gewinner erhalten 5000 Euro. Nach Angaben des Ministeriums wurde im zweiten Corona-Jahr besonders auf Projekte geachtet, die einen Bezug zur Pandemie haben.

Und auch die Erzieherinnen und Erzieher des Trebbiner Heims kamen durch den Distanzunterricht auf die Idee für ihr Modellprojekt. Sie stellten fest, dass die Medienkompetenz  bei den Kindern und Jugendlichen höchst unterschiedlich ausgeprägt war. Neben Gruppengesprächen besuchten die Teilnehmer einen Präventionsbeamten der Polizei sowie eine Fachstelle für Konsumkompetenz.

Höhepunkt war ein Campingausflug mit erlebnispädagogischen Angeboten – das Entscheidende dabei: Es ging um Freizeitgestaltung, die ganz ohne digitale Medien auskam. „Wir würden uns natürlich freuen, wenn andere Einrichtungen unsere Idee übernehmen würden“, sagte Heimleiter Peter Borowiak der Berliner Zeitung.