Julius Nitschkoff: „Den Alexanderplatz bei Nacht kann ich niemandem empfehlen“

Bekannte Berliner nehmen die Stadt ins Visier. Heute: Der Schauspieler Julius Nitschkoff übers Skaten im Regierungsviertel und Berlins Überangebot an Aktivitäten.

Ein echtes Berliner Gewächs: Julius Nitschkoff auf dem Kudamm
Ein echtes Berliner Gewächs: Julius Nitschkoff auf dem KudammImago/Eventpress

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, und jede(r) hat seinen eigenen Blick auf die Stadt. Was macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und nach Plätzen, die sie lieber meiden. Sie verraten, wo sie gern essen, einkaufen oder spazieren gehen. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat Julius Nitschkoff unsere Fragen beantwortet. Der 27-jährige Schauspieler, der in Berlin-Mitte lebt, durfte sich im zurückliegenden Jahr besonders freuen: Im September gewann der begeisterte Kletterer und Kampfsportler den Deutschen Schauspielpreis – für das Zusammenspiel mit seinem Filmpartner Farba Dieng in Florian Dietrichs tragikomischem und von den beiden jungen Hauptdarstellern getragenen Debütfilm „Toubab“. Aktuell ist Nitschkoff als zwielichtiger Polizist Tim in der siebenteiligen Mini-Serie „Gestern waren wir noch Kinder“ zu sehen – jetzt schon in der ZDF-Mediathek sowie am 9., 10. und 11. Januar jeweils ab 20.15 Uhr im ZDF.

1.           Herr Nitschkoff, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Schon mein ganzes Leben.

2.           Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Da gibt’s so viele! Je nach Tages- und Jahreszeit unterschiedlich. Ich liebe die Technoszene – genauso wie den Tiergarten, den Mauerpark oder den Teufelsberg.

3.           Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

Zu mir nach Hause oder auf eines der vielen Dächer über Berlin. Aber auch auf dem Tempelhofer Feld mit Inlinern zu fahren ist top, um den Kopf frei zu bekommen.

4.           Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Meiden tue ich keine, aber es gibt definitiv Ecken, in denen ich mich wohler fühle als in anderen. Den Alexanderplatz bei Nacht kann ich niemandem empfehlen.

5.           Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Das SOY Restaurant in der Rosa-Luxemburg-Straße 30 in Mitte ist einen kulinarischen Ausflug wert.

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Robin Pfeiffer
Zur Person
Julius Nitschkoff kam 1995 in Berlin zur Welt. Schon als Jugendlicher interessierte er sich für die Schauspielerei, mit 13 stand er erstmals vor der Kamera. Unter der Regie von Andreas Dresen spielte er 2015 die männliche Hauptrolle in der Romanverfilmung „Als wir träumten“. In der RTL-Serie „Der Lehrer“ übernahm er die Rolle des halbstarken Problemschülers Luis Schmitz.

Nitschkoff ist aktuell in „Toubab“ bei Netflix zu sehen. Außerdem ist er mit dem Film „Bulldog“ auf Festival-Tour, in dem er einen jungen Mann spielt, der von der erdrückend engen Beziehung zu seiner Mutter bestimmt wird. Für diese Darbietung erhielt er bereits mehrere Auszeichnungen wie den „Best Actor Feature Film“ auf dem Evolution Mallorca International Filmfestival. „Bulldog“ soll Anfang 2023 in die Kinos kommen.

6.           Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Der Laden fein und ripp in der Kastanienallee 91/92 in Prenzlauer Berg ist auf jeden Fall immer einen Besuch wert. Ein wunderschönes Familienunternehmen, das sich auf Kleidung aus den Anfängen der Industrialisierung spezialisiert hat – da kommt direkt ein Peaky-Blinders-Vibe auf!

7.           Der beste Stadtteil Berlins ist …

Die leeren Straßen im Regierungsviertel bei Nacht – auf Inlineskates mit meinem Besten und guter Musik! Niemand, der nervt – keine Hektik vom Alltag.

8.           Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Das Überangebot an Aktivitäten. Es gibt so viel und zu jeder Zeit etwas zu tun, dass es einem manchmal schwerfällt, die Dinge wirklich genießen und wertschätzen zu können.

9.           Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Weniger Autos, mehr Grünflächen, mehr Hausgemeinschaften, die sich für ihre Blocks verantwortlich fühlen. Ein neues 9-Euro-Ticket, mehr soziale Projekte, besser bezahlbarer Wohnraum.

10.         Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Wenn du ’nen Plan hast, ist Berlin ein Ort, an dem man täglich über sich hinauswachsen kann. Man bekommt viele kulturelle Eindrücke, gutes, bezahlbares und vielfältiges Essen. Und man lernt eine Menge Freigeister und vielleicht auch crazy Menschen kennen. Solltest du mit Unsicherheit in diese Stadt kommen, besteht die Gefahr, dass sie dich auffrisst und du dich in ihr verlierst.

11.         Cooler als Berlin ist nur noch ...

... die Natur!