Meistens fühle sie sich als Muslimin anerkannt, sagt Kübra Özermis, sie ist 23 Jahre alt und studiert Englisch an der FU Berlin. Meistens – aber nicht immer. Als Kopftuchträgerin sei sie bei der Berufswahl eingeschränkt. Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff habe zwar gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Ein paar nette Worte reichten aber nicht. Deshalb melden sich jetzt junge Muslime wie Kübra Özermis zu Wort und werben für mehr Anerkennung von Muslimen.

Die Aktion beginnt mit einer Plakatkampagne, die von Dienstag an in der ganzen Stadt zu sehen sein wird. Es gibt drei Motive, die mit den üblichen Klischees der Integrationsdebatte spielen. Auf einem sieht man einen Iman, der seinen Fanatismus nicht in der Moschee, sondern im Fußballstadion auslebt. Auf einem anderen referiert eine Geschäftsfrau mit Kopftuch vor drei Männern.

Die Motive seien Wunschvorstellungen und bewusst provokativ, sagt Ali Ighreiz. Wie Kübra Özermis engagiert der 16-jährige Gymnasiast sich bei Juma, einer Organisation, in der sich 80 bis 100 junge Muslime treffen, die Sarrazins Thesen Lügen strafen. Sie wollen Deutschland nicht abschaffen, sondern sich einmischen.

Kurzfilm, Comics und Interviews

Getragen wird das Projekt von der CDU-geführten Senatsinnenverwaltung. „Den Muslimen ein Zugehörigkeitsgefühl zu vermitteln, ist der Innenverwaltung sehr wichtig“, sagte Grundsatzreferentin Sawsan Chebli am Montag. Es gibt einen Kurzfilm, Comics und Interviews, die auf der Website des Projekts zu finden sind. Am 6. September findet als Abschluss der Kampagne eine Diskussion mit Jugendlichen und Bundestagskandidaten statt.

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Die Jugendlichen haben lange untereinander über die Kampagne diskutiert. Sie wollen eine Diskussion lostreten – und zwar ohne die Negativ-Haltung, die sonst bei Integrationsdebatten mitschwingt. Man müsse unterscheiden zwischen gesellschaftlicher und juristischer Anerkennung, sagt die Studentin Kübra Özermis. „Juristisch ist der Islam noch nicht anerkannt“, das sehe sie als Manko.

Die islamischen Gemeinden sind anders als die großen Kirchen keine Körperschaften öffentlichen Rechts. Kürzlich wurde in Hessen mit der Ahmadiyya-Gemeinde erstmals einer islamischen Gemeinschaft Kirchenstatus eingeräumt. Das heißt, sie dürfen Steuern erheben und einen Beamtendienst schaffen.

In einem Fall hat die Kampagne schon gewirkt: Der Imam aus dem „Haus der Weisheit“ in Moabit, der auf dem Plakat als fanatischer Fußball-Fan zu sehen ist, interessierte sich bisher nicht für Hertha. Nach dem Fotoshooting habe er aber beschlossen, öfter mal ins Stadion zu gehen. Auch das ist eine Form der Anerkennung.