Zurzeit trinken die Menschen ihren Espresso zu Hause, mit dem Smartphone könnten sich ihrem liebsten Barrista helfen. 
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BerlinFür Felix Schmidt sind die Cafébetreiber, Kneipenwirte und Restaurantbesitzer Helden unserer Stadt - und deshalb will er ihnen helfen. Gemeinsam mit seinem Freund Luca Schmid hat er die App Helfer & Helden entwickelt. Dort können die Kunden Gutscheine erwerben, die sie nach der Coronakrise einlösen dürfen.   

Felix Schmidt (Produktentwickler) und Luca Schmid (Software-Entwickler) haben die App am vergangenen Wochenende entwickelt. "Wir sind ja keine Ärzte oder Pfleger, unsere Fähigkeiten liegen auf der technischen Schiene, deshalb haben wir uns überlegt, was wir tun können, um zu helfen", sagt Schmidt.

Wer auf die Webseite der beiden Tüftler geht, sieht, welche Betriebe schon mitmachen und kann sich Gutscheine im Wert von 10, 20, 50 oder 100 Euro kaufen. Gastronomen haben auch die Möglichkeit, sich zu registrieren. Wenn die Coronakrise dann vorbei ist, können die Gutscheine eingelöst werden. 

Die Idee dahinter: schnelle Hilfe anbieten, denn die Mieten müssen weiter gezahlt werden, auch wenn die Einnahmen ausbleiben. "Wir wollen, dass die kulinarische und kulturelle Vielfalt in der Stadt erhalten bleibt", sagt Felix Schmidt.

Felix Schmidt wollte unbedingt den Café-Betreibern helfen. 
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Felix Schmidt (31) und Luca Schmid (23) wollen mit ihrem Projekt kein Geld verdienen, an Kosten entstehen nur die üblichen Paypal-Gebühren. Der Helfer erhält nach der Überweisung dann einen Gutscheincode, denn er im Laden seines Helden einlösen kann, wenn Cafés und Restaurants wieder geöffnet haben. Das Ziel ist es Helfer und Helden unbürokratisch zusammenzubringen. 

Marco Prüfer, der das Café Kraft seit sechs Jahren in Prenzlauer Berg betreibt, konnte sich schnell begeistern für die Idee. "Als Gastronom ist man zurzeit für jede Hilfe dankbar", sagt er. Er berichtet von den zahllosen Anträgen, die gerade auf seinem Schreibtisch liegen. Da bleibt vielen Gastronomen keine Zeit, sich um so etwas wie eine Web-Kampagne zu kümmern.

Auf Prüfers Café ist zurzeit geschlossen. Wie es weitergeht? "Das wissen wir alle nicht", sagt er. Deshalb ist er selbst auch aktiv geworden, hat sieben Designer gebeten, einen Entwurf zu dem Slogan "Support Your Local Dealer" zu entwerfen. Die Kreationen können sich andere Gastronomen und Einzelhändler auf seiner Webseite kostenlos herunterladen, um Postkarten, Poster, Pullover oder T-Shirts zu bedrucken und mit dem Verkauf ein wenig Umsatz zu generieren. Prüfer hofft, dass seine T-Shirt-Lieferung am Freitag ankommt. Not macht erfinderisch.  

Eine andere Gruppe von mehr als 20 Leuten hat die Idee für Gutscheine auch auf den Einzelhandel ausgedehnt. Bei der Non-Profit-Plattform Helfen.Berlin sind ungefähr 700 Betriebe nach Stadtteilen registriert, dem Lieblingsort kann mit Spenden in Höhe von 10, 25, 50 oder 100 Euro geholfen werden. "Es geht darum, dass wir gemeinsam unsere Lieblingsorte vor der Insolvenz retten, indem wir ihnen jetzt das Geld zur Verfügung stellen, das wir sowieso in den nächsten Monaten bei ihnen ausgeben werden", heißt es auf der Homepage. Auch hier können sich Unternehmer kostenlos  auf der Plattform registrieren.

Schon vor Jahren hatten zwei Brüder im Münsterland die Idee, den Einzelhandel vor Ort zu stärken. Die Brüder Alexander und Aristide Arend waren in den Bergen unterwegs, als ihnen einfiel, dass sie noch kein Geschenk für den Muttertag hatten. So kamen sie auf die Idee, Gutscheine für Lieblingsgeschäft zu schaffen, die dann verschickt werden können. Zmyle, so heißt die Plattform, bei der auch Geschäfte aus Berlin mitmachen. "Wir wollen die Urbanität unserer Gemeinden, unserer Städte, unserer Stadtviertel und unserer Kieze nach Corona wieder erleben können. Wir wollen deshalb, dass Geschäfte, Kneipen und andere Dienstleister überleben", sagt  Alexander Arend.