Berlin - Zitronenmelisse, Lavendel und Koriander begrünen ihr Haus und umrahmen die Gespräche mit zartem Kräuterduft. Das war den drei Mädchen vom Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neukölln wichtig: einen schönen Platz zum Plaudern zu haben. Zusammen mit einem Architekten und zwei Studenten der Technischen Universität haben sie ihr Gebäude für „Building Blocks“ entworfen, ein Projekt aus Schweden, bei dem Kinder und Jugendliche zu Bauherren werden.

Mit verschiedenen Architekturbüros verwirklichten nun Berliner Schüler zwischen sechs und 16 Jahren ihre fünf Traumgebäude. Auf der Ausstellungsfläche der Nordischen Botschaften an der Rauchstraße in Tiergarten sind die Häuser ab Sonntag in einer Ausstellung zu besichtigen. Das Projekt „Building Blocks“ wurde in den Vorjahren bereits erfolgreich in Oslo und Stockholm durchgeführt. Ziel ist es, Kinder schon früh an Bau- und Stadtplanung heranzuführen. Am gestrigen Donnerstag feierten nun die jungen Bauherren in Berlin Richtfest.

Verweilen auf Stelzen

Die drei Zwölftklässlerinnen aus Neukölln – Fehime Sinanaj, Edona Gashi und Sennur Basar – haben ihr Haus mit Kräutergarten „Der Blickfänger“ genannt und es für den Vorplatz ihrer Schule entworfen. Das ist der Unterschied zu den vier anderen Häusern, die am Donnerstag präsentiert wurden. Für sie ist kein zweites Leben vorgesehen. „Unser Fokus lag dagegen immer darauf, dass das Objekt auch vor die Schule passt“, sagt Architekt Nils Ruf.

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Diese Zukunft des Hauses ist allerdings jetzt schon bedroht, denn das Grünflächenamt erlaubt das Objekt nur in 80 Zentimetern Höhe. Es ist aber mehr als dreimal so hoch. Die Stelzen aus Kiefernholz, die die Mädchen entworfen haben, müssen wahrscheinlich wieder weichen. Auf den Stelzen ruht eine Plattform aus Siebdruckplatten, die Möglichkeiten zum Verweilen bietet. Eine Bar, ein Wohnzimmer, eine Lounge und ein Sonnendeck soll es im fertigen Haus geben. Überall liegen gemütliche Kissen herum.

Willkommen im Jupeviniti-Haus

Unten im Haus informiert eine kleine Ausstellung über die Arbeit an dem Projekt. In drei Workshops fanden die Mädchen mit den Architekten heraus, was sie sich für ihre Schule wünschen. Durch ein Projektbüro, das in der Schule eingerichtet wurde, entstand in den vergangenen Monaten ein reger Austausch. „Dass wir unsere eigenen Ideen verwirklichen durften, fand ich toll“, sagt Edona. Entspannt liegt sie nun auf der Liegefläche ihres eigens entworfenen Hauses.

Ganz anders ist das beim „Jupeviniti-Haus“. Der etwas krude Name kommt zustande, weil sich fünf Fünftklässler mit den Anfängen ihrer Vornamen verewigt haben. Natürlich hat das Haus alles, was zehnjährige Jungen so brauchen: einen Klettergarten, eine Rumpelkammer, einen Wintergarten und eine Solaranlage zum Beispiel.

Nicht wirklich für den großen Mann

Das einzige, was zum Richtfest schon installiert ist, ist die Rutschstange, wie man sie aus Feuerwehrhäusern kennt. Mit ihr geht es von oben auf schnellstem Weg ins Untergeschoss. Das nutzen die Grundschüler aus Pankow aufs Gründlichste aus. Rauf die Leiter, rüber in den nächsten Raum, runter die Stange und wieder von vorn. Erwachsene wie Architekt Kerk-Oliver Dahm, der die jungen Bauherren unterstützte, stören eigentlich nur. Zumal die Maße des Hauses mit vier mal vier Metern wirklich nicht für den großen Mann ausgelegt sind.

Dahm jedoch ist begeistert von den Jungs: „Die sind total clever.“ Seinen Entwurf hätten die fünf erst einmal wieder auseinandergenommen. Schließlich wussten sie genau, was sie wollten. Umgesetzt wurden alle fünf Entwürfe von Lehrlingen einer Fürstenwalder Fortbildungsstätte. Jedes Haus bekommt nun noch einen Anstrich und die Innenausstattung. Der schwedische Botschafter Staffan Carlsson ist begeistert von der Arbeit der Kinder: „So eine tolle Ausstellung hatten wir hier noch nie.“

Building Blocks: 9. September bis 4. November, mit Führungen und Workshops, Nordische Botschaften, Rauchstraße 1, Eintritt frei.