Juristische Schritte angekündigt: Templin wehrt sich gegen Erdgaserkundungen

Templin/Cottbus - Der Kurort Templin (Uckermark) befürchtet den Verlust seiner touristisch erschlossenen Thermalwasser-Quelle - und damit vieler Gäste. Grund sind Probebohrungen und eine mögliche spätere Förderung von Erdgasvorkommen in der Region.

Doch Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke) will sich das Wasser nicht abgraben lassen und kündigt juristische Schritte an. „In unsere Therme kommen jährlich 260.000 Besucher. Insgesamt sind es 600.000 Touristen im Jahr. Das wollen wir uns nicht kaputtmachen lassen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Hintergrund sind geplante Bodenerkundungen zwischen Zehdenick (Oberhavel) und Templin durch eine in den Niederlanden registrierte dänische Firma. Nach Angaben des Landesbergamts (LBGR) wurde das Vorhaben bereits teilweise genehmigt.

Seismische Erkundungen sind in Vorbereitung

Alte Unterlagen und Bohrkerne aus DDR-Zeiten, die das Amt eingelagert hatte, seien bereits durch die Firma ausgewertet worden. „Wir arbeiten aktuell am Hauptbetriebsplan und erstellen eine Umweltstudie“, teilte Thomas Tygesen, Chef von Jasper Ressources, mit.

Seismische Erkundungen seien in Vorbereitung. Hierfür seien aber noch nicht alle naturschutzrechtlichen Auflagen erfüllt, erklärte LBGR-Präsident Hans-Georg Thiem. Später soll dann ein Vibrationsfahrzeug damit anfangen, seismische Linien in den Untergrund zu schießen, um mit einer Art Echolot ein Abbild des Untergrunds zu erhalten. „Das soll, wenn alles klappt, 2018 abgeschlossen sein. Probebebebohrungen soll es aber nicht vor Ende 2018 geben“, ergänzte Tygesen.

In dem Feld „Zehdenick-Nord“ werden bis zu zehn Milliarden Kubikmeter nitrogenhaltiges Gas vermutet. „Zu DDR-Zeiten war das noch ein Problem. Heutzutage kann das Nitrogen technisch aus dem Erdgas herausgeholt werden“, erklärte Tygesen. Soweit sei Jasper aber noch lange nicht.

Bürgermeister befürchtet Folgen für Thermalwasser

„Da all unsere Einwendungen ungehört verhallten, prüfen wir jetzt den Klageweg“, erklärte Tabbert. Im badischen Staufen sei bei einer Bohrung eine Tonschicht durchtrennt worden. „Jetzt hebt das einschießende Grundwasser das ganze Dorf an. Sowas will ich in Templin nicht erleben“, erklärte der Linkspolitiker seine Bedenken.

Das Templiner Thermalwasser wird aus 1600 Metern Tiefe gefördert. „Wenn die nach dem Gas bohren, müssen die da durch. Es wird ja in knapp 4000 Metern Tiefe vermutet“, sagte Tabbert. „Niemand kann garantieren, dass da nichts schief geht“, mahnte er.

Unterstützung bekommt Tabbert aus dem benachbarten Lychen. „Wir wollen als touristische Region keine Windräder. Deshalb sind wir auch gegen eine Erdgasförderung“, sagte Bürgermeisterin Karola Gundlach (parteilos).

Entwarnung kommt vom LBGR-Präsidenten

Der LBGR-Präsident erklärte, geologisch sehe er bislang keine Gefahren. Außerdem gehe es bislang nur darum, den Aufbau des Untergrunds zu erkunden, betonte Thiem. Sollten Gefahren auftreten, gebe es durch das Landesbergbauamt keine Fördergenehmigung.

Auch Tygesen betonte, Tabbert müsse sich keine Sorgen machen. „Wenn wir einmal bohren sollten, werden wir das zehn Kilometer südlich von Templin machen.“ Außerdem werde die Thermalwasserschicht beim Durchbohren nicht verschmutzt und könne auch nicht auslaufen.

Dort würden spezielle Futterrohre montiert, die zudem einzementiert werden. „Da wird alles hundertprozentig abgedichtet. Da kann gar nichts ins Thermalwasser ein- oder ausdringen“, versicherte Tygesen. (dpa)