Berlin - Der Fall machte deutschlandweit betroffen: Im März 2018 tötete der 15-jährige Hannes E.* seine Mitschülerin Keira G. in ihrer elterlichen Wohnung in Alt-Hohenschönhausen. Aus purer Mordlust stach der Jugendliche 23-mal auf die 14-Jährige ein. Im November 2018 wurde Hannes E. wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt. Zwar ist das Urteil längst rechtskräftig, doch Keiras Mutter wartet noch immer darauf, dass das Strafverfahren um den gewaltsamen Tod ihrer Tochter abgeschlossen wird. Denn eigentlich hätte sich eine Freundin von Hannes E. schon im März vorigen Jahres wegen Beihilfe zu einem Tötungsdelikt vor einer Jugendkammer des Landgerichts verantworten müssen. Klara J.* soll von den Mordplänen gewusst und Hannes E. ein falsches Alibi gegeben haben. Doch wegen der Corona-Pandemie wurde das Verfahren verschoben. Erst auf Oktober, dann, weil der Anwalt des Mädchens in Quarantäne musste, auf dieses Jahr. Klara J. sitzt nicht in Untersuchungshaft. Deswegen gilt in dem Fall kein sogenanntes Beschleunigungsgebot.

Der Strafprozess gegen Klara J. ist nicht das einzige Verfahren, das in Zeiten der Pandemie verschoben wurde. Gerade bei den Strafgerichten – dem Landgericht und dem Amtsgericht Tiergarten – wurden und werden immer wieder sogenannte Nicht-Haftsachen wegen Corona aufgehoben, neue Termine Monate später oder noch gar nicht angesetzt. Und das in einer Zeit, in der die Gerichte so und so schon über einen Wust an Verfahren klagen, der – wenn überhaupt – nur schleppend abgearbeitet werden kann.

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