Der Angeklagte Thomas K. neben seinem Verteidiger René Lau.
Foto: Olaf Wagner

BerlinThomas K. wusste nicht, dass Kriminalbeamte eine Kamera im Besucherraum der Jugendstrafanstalt installiert hatten. Dass er beobachtet wurde, wenn er Tüten aus einem der zwölf Schließfächern der Jugendstrafanstalt nahm, in denen Besucher der Inhaftierten ihre Taschen und Handys einschließen müssen. Tüten, in denen Handys, Geld und auch Tabletten steckten, die für die Strafgefangenen bestimmt waren. Thomas K. hat all die Sachen in den Tüten zu den jungen verurteilten Straftätern gebracht, die ihn dafür belohnt haben. Mit Geld, das ebenfalls wie vereinbart in den Schließfächern steckte.

Thomas K. ist 45 Jahre alt. Er hat als Justizvollzugsbediensteter in der Jugendhaftanstalt gearbeitet, die auf dem Gelände der JVA Plötzensee liegt. Seit Dienstag sitzt er auf der Anklagebank des Landgerichts – wegen schwerer Bestechlichkeit, Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Verstoßes gegen das Waffengesetz. In seiner Wohnung wurden zwei halbautomatische Waffen gefunden, für die er keinen Waffenschein besaß.

Thomas K. ist vom Dienst befreit, seine Bezüge wurden gekürzt. Dagegen hat er Klage beim Verwaltungsgericht eingelegt. Dabei räumte er am ersten Verhandlungstag die Bestechlichkeit ein. Thomas K. schmuggelte gegen Geld verbotene Dinge ins Gefängnis: Handys, Tabletten und ein wenig Cannabis. An vier Tagen im vorigen Jahr. Die Anklage wirft ihm insgesamt neun Fälle vor.

Mit zwei Tüten auf frischer Tat ertappt

Er bereue die Taten zutiefst, habe für das, was er getan habe, keine Erklärung. Um Geld sei es ihm nicht gegangen, sagt Thomas K. Er sei vielmehr im Stress gewesen, weil die Jugendstrafanstalt unterbesetzt gewesen sei. Ihm hätten zudem die Inhaftierten leid getan „so ohne Zukunftsperspektive“, heißt es in einer Erklärung.

Für seine Dienste habe er auch nur „kleinere und überschaubare Beträge“ von 30 bis 50 Euro erhalten. Die Strafgefangenen selbst hätten ihn angesprochen und „bequatscht“. „Das macht die Sache nicht besser“, sagt er.

Thomas K. wurde am 25. Juni vergangenen Jahres auf frischer Tat ertappt. Da hatte er zwei Tüten in den Händen. Mit Handys, die in weißen und schwarzen Socken steckten, mit 120 Euro, die in einer Tabakpackung verborgen und für ihn bestimmt waren. Die Taten flogen auf, weil sich zwei Inhaftierte an die Sicherheitsabteilung des Gefängnisses gewandt hatten.

Der ermittelnde Kriminalbeamte erklärte vor Gericht, Thomas K. habe von den Besuchern den Schlüssel für das jeweilige Schließfach erhalten, die Schmuggelware dort herausgeholt und sie am Abend in die Hafträume der Adressaten gebracht.

Zu den anderen Vorwürfen will sich Thomas K. am nächsten Verhandlungstag äußern. Dann will er erklären, warum er seine Tätowierungen auf den Unterarmen zur „Schau gestellt“ habe, wie es in der Anklage heißt. Sie zeigen ein Plattencover der Rechtsrockband Kahlkopf, auf dem SS-Runen zu sehen sind.

Offenbar sind sie Zeugnis seiner Gesinnung – ebenso wie die Fotos, die auf seinem Handy gefunden wurden. Es sind Bilder, die der Angeklagte über den Nachrichtendienst Whatsapp erhalten haben soll und die vor Gericht gezeigt wurden. Ein Foto zeigt eine Art Altar – ein Bild Hitlers hinter einer Kerze und einem Bier. Wehrmachtssoldaten sind abgebildet – als die „besten Soldaten der Welt“. Auch verherrlichende Fotos der Waffen-SS wurden gefunden.