Berlin - Nicht nur der Kabelbrand am Donnerstag, sondern auch zwei weitere Brände, die in jüngster Zeit den Bahnverkehr erheblich störten, gehen auf Anschläge zurück. Nach Informationen der Berliner Zeitung war das Feuer an einer Kabelbrücke am Nöldnerplatz ebenfalls das Resultat einer Brandstiftung. Im Februar war zwischen den S-Bahnhöfen Ostkreuz und Nöldnerplatz eine Kabelbrücke in Flammen aufgegangen.

„Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde“, sagte ein Ermittler am Donnerstag. So sahen Zeugen einen Verdächtigen auf einem Fahrrad flüchten. Der Täter ist noch nicht gefasst. Ob es ein politisches Motiv gibt, ist unklar. Zu der Brandstiftung bekannte sich bislang niemand.

Bezug zur Tat im Mai 2011

Das Feuer am Nöldnerplatz erinnert wiederum an die Brandstiftung auf einer Kabelbrücke am Markgrafendamm, die im Mai 2011 den S-Bahn-Verkehr weitgehend lahmlegte. Zu der Tat bekannte sich eine Gruppe mit Namen „Das Grollen des Eyjafjallajökull“ – in Anspielung auf jenen isländischen Vulkan, der 2010 den Flugverkehr zum Erliegen brachte.

Dieser Tätergruppe ordnet die Polizei auch den aktuellen Anschlag am Donnerstag in Zehlendorf zu – nicht nur, weil Diktion und Inhalt dem aktuellen Bekennerbrief ähneln und offenbar auch die Begehungsweise der Tat. Sondern auch, weil sich die Überschrift auf grollende „Vulkane in den Metropolen“ bezieht. In ihrem Schreiben, das die Unbekannten mit „Vulkan Grimsvötn“ unterzeichneten und am Donnerstag auf der Internetseite „linksunten.indymedia.org“ veröffentlichten, beziehen diese sich ausdrücklich auf die Tat am Markgrafendamm. Mit dem neuen Anschlag wollten die Täter nach eigener Darstellung den 1. Mai verlängern.

Der Brand betraf Zehntausende Reisende. Er hatte dennoch nicht ganz so verheerende Auswirkungen wie die Tat von 2011. So wurden dieses Mal offenbar auch keine Leitungen von Telefon, Internet- und Mobilfunkfirmen lahmgelegt, anders als von „Vulkan Grimsvötn“ behauptet. Zumindest liegen laut Polizei keine Schadensmeldungen vor.

Was die Information anbelangt, schien die Bahn die Situation diesmal besser im Griff zu haben. So stand auf den Bahnhöfen Personal bereit, um Fahrgästen den Weg zu beschreiben. Am Westkreuz wurden Fahrpläne verteilt und den ratlosen Reisenden empfohlen, erst mal Richtung Schöneberg zufahren und dann in die S 1 umzusteigen. In vielen S-Bahnen wies das Personal per Lautsprecher auf die Umfahrungsstrecke S 1 hin. Als Alternative konnte auch der Schienenersatzverkehr über Messe Süd genommen werden, was aber länger dauerte. Die meisten Fahrgäste reagierten gelassen.

Brandstiftung in Schöneweide

Unterdessen hat es die Polizei es noch mit einer weiteren politisch motivierten Bandstiftung zu tun: Am Vormittag des 1. Mai brannte in der Nähe des Bahnhofs Schöneweide ein ehemaliger Lockschuppen. Wegen des Rauchs musste die S-Bahn den Betrieb zwischen Schöneweide und Grünau einstellen. „Das war offensichtlich ein Versuch, die Anreise der Teilnehmer der NPD-Demo in Schöneweide zu verhindern“, so Polizeipräsident Klaus Kandt. (mit xsf.)