Kältehilfe in Berlin: Senat eröffnet Übernachtungs-Container in den Prinzessinnengärten

Gut zwei Dutzend suchen jede Nacht Schutz im U-Bahnhof Moritzplatz, manchmal sind es mehr. Sie breiten in den Gängen ihre Schlafsäcke aus, richten ihre Nachtlager ein, ihre paar Habseligkeiten immer dabei. Eigentlich, so sieht es das Konzept von Senat und Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) vor, sollen sie den U-Bahnhof am frühen Morgen wieder räumen, wenn der Berufsverkehr einsetzt. Doch das hat noch nie geklappt.

Und so prallen dort jeden Morgen zwei Welten aufeinander, wenn die Fahrgäste ihren Arbeitsweg zwischen den Nachtlagern hindurch suchen. Zumindest im Moment noch, denn der Senat will am Freitag in den Prinzessinnengärten gleich nebenan zwei beheizte Container für Obdachlose eröffnen.

Kältebahnhof soll trotz der neuen Container geöffnet bleiben

Der U-Bahnhof Moritzplatz ist einer von zwei Kältebahnhöfen. Der andere ist der U- und S-Bahnhof Lichtenberg. Etwa 50 Obdachlose übernachten jede Nacht in den beiden Bahnhöfen. Betreut werden sie von Mitarbeitern der Berliner Stadtmission und der Sozialgenossenschaft Karuna.

Insgesamt leben 4000 bis 6000 Menschen in Berlin auf der Straße – also weit mehr, als es in den Notunterkünften Betten gibt. Wie groß die Zahl tatsächlich ist, will Sozialsenatorin Elke Breitenbach bald ermitteln. Sie hat eine Zählung der Obdachlosen in Berlin angekündigt. So soll das Hilfsangebot besser an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden.

Ein Baustein dabei sind die beiden Container in den Prinzessinnengärten, die den Obdachlosen eine Alternative zu ihren Schlafplätzen in den U-Bahn-Tunneln bieten sollen. „Übernachten auf Bahnhöfen kann immer nur eine Notlösung sein“, sagt Regina Kneiding, Sprecherin der Berliner Sozialverwaltung. „Allerdings muss man schauen, inwieweit die Obdachlosen das neue Angebot überhaupt annehmen“, sagt Matthias Fischer. Er arbeitet für die Berliner Stadtmission beim Kältebus und ist regelmäßig mit den Obdachlosen am Moritzplatz in Kontakt. Sollten sie auch weiterhin im Bahnhof übernachten, werden sie dort nicht vertrieben, heißt es. Denn die BVG habe zugesagt, den Bahnhof trotz der Container geöffnet zu lassen. „Wir werden niemanden draußen erfrieren lassen. Aber wir sind ein Verkehrsunternehmen, keine Sozialarbeiter.“

Spärlich eingerichtete Container bieten eine Unterkunft für die Nacht

Den Job übernehmen Mitarbeiter der Stadtmission. Sie werden die Obdachlosen in den Prinzessinnengärten betreuen. Die beiden Container dort sind spärlich eingerichtet. Lediglich eine Elektroheizung hängt jeweils in den Containern. Ein kleiner Holzvorbau mit einem Heizstrahler wurde gezimmert. Viel mehr wird auch nicht dazu kommen. Auch keine Betten. Wobei die jetzige Ausstattung schon gut ist, denn „ursprünglich waren die Container nur als Ort zum Aufwärmen gedacht“, sagt Sozialarbeiter Fischer. Jetzt hoffe man aber, dass viele hier auch die Nacht verbringen.

Dass es diese Unterkunft überhaupt gibt, ist das Ergebnis langer Verhandlungen. Erst haben Senat und BVG über Monate debattiert, ob die Bahnhöfe Lichtenberg und Moritzplatz in den Wintermonaten offen bleiben können. Die BVG verwies immer wieder darauf, dass ein Bahnhof keine angemessene Unterkunft für die Nacht sei. Eine Einigung über diese Frage gab es erst, als sich Senat und BVG darauf verständigten, neue Konzepte für die Obdachlosen-Unterbringung zu erarbeiten. Ein Baustein dabei: die Container in den Prinzessinnengärten.

Wie das System der Kältehilfe im kommenden Winter aussehen kann, darüber wird derzeit debattiert. „Wir hoffen, dass sich im nächsten Winter bessere Lösungen finden lassen“, sagt BVG-Sprecherin Petra Nelken.