Die Kälte-Nothilfe-Initiative „Wärme mit Herz“ nimmt Obdachlose und von Zwangsräumung bedrohte Menschen auf. Nun steht der Initiative selbst die Räumung bevor. In einem offenen Brief wandte sich am Dienstag deren führender Kopf Zoltan Grasshoff an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Auf diesem Weg hofft Grasshoff, an neue Räume für sein Projekt zu kommen. „Bitte helfen Sie uns, weiter helfen zu können“, schreibt Grasshoff.

Bis zur vergangenen Woche hatten nur wenige Menschen in Berlin jemals etwas von dieser Initiative gehört. Aber dann starb die Rentnerin Rosemarie F. in den Räumen der Initiative in der Sprengelstraße in Wedding, nachdem sie vorher ihre eigene Wohnung durch eine Zwangsräumung verloren hatte. Zeitungen und Fernsehsender berichteten. Zu einer Protestkundgebung gegen Zwangsräumungen erschienen Hunderte Menschen.

Die Weddinger Wärmestube ist ein Facebook-Projekt. Seit dem Jahr 2010 bieten einige Aktivisten in einer 110 Quadratmeter großen Gesobau-Wohnung Menschen in Not eine Anlaufstelle. Die Initiative sammelt über das Netzwerk und eine eigene Internetseite Geld für Essen, Kleider oder die Miete.

Immer wieder Schwierigkeiten

Aber die Wohnungsbaugesellschaft Gesobau, der das Weddinger Haus gehört, ist mit dieser Ein-Mann-Initiative, die von wechselnden Freiwilligen unterstützt wird, überfordert. „Wir haben Herrn Grasshoff die Wohnung damals für sein Projekt befristet überlassen, weil es kalt war“, sagt Gesobau-Sprecherin Kirsten Huthmann. Als der Vertrag auslief, wurde er verlängert. Aber es sei immer wieder zu Schwierigkeiten mit Mietern im Haus gekommen.

Im Frühjahr 2012 lief der Vertrag erneut aus, und die Gesobau forderte die Initiative zum Auszug auf. Das aber habe Grasshoff nicht akzeptieren wollen, so Huthmann. Die Gesobau setzte eine Räumungsklage durch. „Aber im Februar, als geräumt werden sollte, war es wieder kalt, es wohnten Menschen in der Wohnung. Wir haben den Termin auf kommenden Freitag verschoben“, so Huthmann. Nun wird es noch einen weiteren Aufschub geben. „Nach dem Tod der Rentnerin können wir das Herrn Grasshoff zurzeit nicht zumuten“, sagt Huthmann. In der Senatskanzlei wollte den Vorgang niemand kommentieren.