Das Museum wird 2022 in den Theaterbau am Rande des Schlosses ziehen. 
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Berlin - Das Käthe-Kollwitz-Museum soll in den einstigen Theaterbau des Schlosses Charlottenburg einziehen. Die bisher genutzte Villa in der Fasanenstraße, so teilte der Verein schon im vergangenen Jahr mit, sei zu eng, nicht behindertengerecht umbaubar, die sanitären Anlagen reichten nicht aus – und der Mietvertrag war gekündigt worden. Nun also Charlottenburg. Das Gebäude entstand 1787–1791 nach den Plänen von Carl Gotthard Langhans, dem Schöpfer des Brandenburger Tores. Die Inneneinrichtung wurde um 1902 weitgehend zerstört.

Umzug der Dauerausstellung nach Fassadensanierung

Zunächst, berichtete Direktorin Josephine Gabler am Donnerstag in einer Pressekonferenz, werden ab 2022 Räume im Hauptgeschoss für die Dauerausstellung, für Büros, die Bibliothek, einen kleinen Veranstaltungssaal und die Museumspädagogik genutzt. Nach der voraussichtlich 2024 abgeschlossenen Fassadensanierung kann dann die Dauerausstellung ins Obergeschoss umziehen, neben den Saal für Sonderausstellungen. Die übrigen Räume in dem Haus werden, wie Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, berichtete, für deren Büros, für Depots des Museums für Vor- und Frühgeschichte und für einen noch nicht bekannten Mieter genutzt werden.

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Ein privater Verein trägt seit der Gründung 1986 das Museum, erst seit kurzem erhält es vom Senat 360.000 Euro jährlich. Nach Angaben des Vereinsvorsitzenden, des einstigen Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU), werden künftig etwa 96.000 Euro Miete an die Schlösser-Stiftung zu zahlen sein. Das sei deutlich weniger – so Diepgen – als bisher an der Fasanenstraße. Vogtherr und Diepgen sahen genauso wenig wie Kulturstaatssekretär Thorsten Wöhlert ein haushaltsrechtliches Problem darin, dass hier eine private Institution mit Senatsgeldern und zu reduzierter „Kulturmiete“ in ein Haus umzieht, dessen Sanierung vom Bund und den Ländern bezahlt wird.

Erinnerung an Grafikerin machte Koalition möglich

Der Mietvertrag ist auf 20 Jahre mit Verlängerungsmöglichkeit angelegt – die immer wieder debattierte Idee, hier ein Berliner Theatermuseum zu begründen, dürfte damit hinfällig geworden sein. Eine Senatsplanung dafür gab es, so Torsten Wöhlert, soundso nie.

Tatsächlich konnte wohl nur die Erinnerung an die Grafikerin Käthe Kollwitz eine Koalition zusammen schmieden, die von der CDU bis zur Die Linke reicht. Sie wurde schon in der Kaiserzeit von Konservativen und Linken verehrt, ihre Illustrationen zum Schicksal der schlesischen Weber, zu den Dramen in dunklen, verdreckten und überbevölkerten Berliner Hinterhöfen – derzeit ist eine Auswahl im Kollwitz-Museum in der Fasanenstraße zu sehen – bewegten generell menschlich. Es wird keine leichte Aufgabe sein, an diese betont bescheidene Frau direkt neben dem Prunkschloss der Hohenzollern zu erinnern.