Symbolträchtig mit Rotem Rathaus im Hintergrund: Der CDU-Vorsitzende Kai Wegner will Regierender Bürgermeister werden.
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BerlinBester Laune hat sich der CDU-Vorsitzende Kai Wegner am Freitag als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im nächsten Jahr präsentiert. „Ich habe mich seit langer Zeit auf diesen Tag gefreut“, sagte er und legte dann sogleich los mit einer absoluten Liebeserklärung an die Stadt: „Ich atme, ich lebe, ich liebe Berlin.“ Deshalb will er nun nicht mehr für den Bundestag kandidieren, sondern sich voll und ganz auf die Stadt konzentrieren: „Ich will Regierender Bürgermeister werden.“

Um das zu schaffen, will er sich in erster Linie um die „ganz normalen“ Berliner kümmern und ansonsten vor allem versöhnen: Die Vermieter mit den Mietern, die Innenstadtbewohner mit den Berlinern am Stadtrand, die Radler mit den Autofahrern. Dazu solle es einen neuen Politikstil in der Stadt geben: „Ich will einen Dialog auf Augenhöhe mit der Stadtgesellschaft führen, auch mit den Enttäuschten“, sagte Wegner. Von denen gibt es seiner Meinung nach viel zu viele, die bei der Politik des rot-rot-grünen Senats auf der Strecke geblieben sind. Dieser habe sich das gute Regieren auf die Fahnen geschrieben, das Ziel aber nicht annähernd umgesetzt und vor allem die Mitte der Gesellschaft aus den Augen verloren.

Er kündigte für den Fall seiner Wahl als erste Amtshandlung an, einen runden Tisch für bezahlbares Wohnen einzuberufen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit soll die Sicherheit in der Stadt sein. Regeln sollten demnächst nicht nur auf dem Papier gelten, sondern auch aktiv durchgesetzt werden. Als Beispiel für das Versagen des Senats nannte Wegner die Situation der Stadt in der Corona-Pandemie: „Ganz Deutschland schüttelt den Kopf über uns, weil ein paar Egoisten machen dürfen, was sie wollen.“

Auch in Sachen Verkehr will sich Wegner vom rot-rot-grünen Senat absetzen. Natürlich brauche man die Verkehrswende und mehr Radwege, sagte er. Aber es gebe genug Menschen, vor allem außerhalb des S-Bahn-Rings, die auf das Auto angewiesen seien. Um die Menschen dazu zu bringen, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, brauche es Anreize und keine Bevormundung.

Nach der jüngsten Umfrage von Infratest dimap liegt die CDU mit 22 Prozent auf dem zweiten Platz hinter den Grünen, die mit 26 Prozent derzeit die stärkste politische Kraft ist. Die SPD steht derzeit bei 15 Prozent. Um die Landesregierung stellen zu können, müsste Wegner – falls die CDU an den Grünen vorbeiziehen kann – mit einer der beiden Parteien koalieren. Er vermied daher direkte Attacken. Kategorisch schloss er eine Zusammenarbeit mit der AfD und der Linken aus.