Saugt Blut: die Bettwanze.
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BerlinBerlin ist ein Touristen-Hotspot – aber nicht nur immer mehr Gäste aus der ganzen Welt kommen her, sondern auch mehr Ungeziefer: Bettwanzen fühlen sich in den Betten der Hauptstadt immer wohler. Experten sprechen inzwischen von einer regelrechten Plage, kämpfen für eine Meldepflicht und machen jetzt mit Berlins erstem Krabbel-Atlas darauf aufmerksam. 

Die Wanzen-Attacken gehören inzwischen zur festen Einnahmequelle vieler Berliner Kammerjäger. „Wir haben im Moment so viele Aufträge wie noch nie“, sagt etwa Schädlingsbekämpfer Adam Tesmer, der  im vorigen Jahr rund 20 Prozent mehr Einsätze zu verzeichnen hatte als im Vorjahr. „Die Aufträge kommen vor allem aus der Hotelbranche. Wir mussten erst neulich zu einem Fünf-Sterne-Hotel“, verrät er.

„Dort war ein Zimmer so stark befallen, dass wir die Einrichtung über Nacht in Tüten packen und entsorgen mussten.“ Das Problem gebe es überall – in Hostels, aber auch in hochklassigen Nobel-Häusern. „Es passiert immer wieder, dass Hotels sogar Zimmer schließen müssen.“ Die Plagegeister, die sich gern in allerlei Ecken und Ritzen verstecken und beißen, wenn der Mensch im Bett schläft, verbreiten sich vor allem durch die gestiegene Reisetätigkeit. Doch obwohl es in Berlins Betten kreucht und fleucht, ist das Thema noch immer ein Tabu.

Hotel-Mitarbeiter müssen Bettwanzen-Befall erkennen können

„Wir fordern aber eine Meldepflicht, weil sich das Problem nur so eindämmen lässt. Die Mitarbeiter in den Hotels müssen dafür geschult werden, den Befall durch Wanzen zu erkennen, denn nur wenn man rechtzeitig etwas dagegen tut, verhindert man die Verbreitung.“ Um auf die Plage aufmerksam zu machen, startete Tesmer jetzt eine neue Website: Auf einer Karte im Internet sind alle Bettwanzen-Einsätze seiner Firma zu sehen, auch andere Schädlingsbekämpfer sollen ihre Fälle eintragen.

Gefahr unter dem Kopfkissen: Bettwanzen verbreiten sich in Berlin rasant.
Foto: imago images/ Cavan Images

Überblick über alle Bettwanzen - Einsätze

„Es muss endlich einen Überblick über die Lage in der Stadt geben, deshalb helfen wir uns mit dem Projekt selbst“, sagt er. Das Ganze schauten sich die Kammerjäger von einer ähnlichen Website in Amerika ab, hier werden ebenfalls Bettwanzen-Einsätze erfasst, sogar genaue Adressen und Namen von Hotels veröffentlicht. Auch edle Häuser mit hoher Sterne-Wertung sind einsehbar. „Das können wir aus Datenschutzgründen nicht.

07.01.2020, Berlin/Mitte. Adam Tesmer (39) ist als Schädlingsbekämpfer Bettwanzen auf der Spur.
Foto: Sabine Gudath

Wir vermerken unsere Einsätze dort auf der Karte, wo sie ungefähr passiert sind, ohne Hinweise auf den konkreten Ort.“ Die Karte soll ständig erweitert werden, im besten Fall speisen mehr Fachfirmen ihre Bekämpfungen ein. Schon jetzt ist zu erkennen, dass sich die Wanzen gern in Friedrichshain, Lichtenberg, Prenzlauer Berg und in einigen Teilen von Neukölln tummeln.

Flohmärkte sind Ursache für Verbreitung von Bettwanzen

Auslöser für die Verbreitung ist laut Experten auch die Beliebtheit von Flohmärkten – hier werden auch befallene Möbelstücke und Kleidung verkauft, der neue Besitzer holt sich damit nicht selten die ersten Exemplare der kleinen Biester ins Haus. Hinzu kommen Wohngemeinschaften, die sich in der Stadt bilden und auflösen. Betroffen sind auch Häuser, die lange nicht saniert wurden – gern verbreiten sich die Tierchen über die Lüftungsschächte.

Ob das Schädlings-Problem mit dem Projekt in den Griff zu bekommen ist? Schwierig bei den Insekten: Ein Wanzen-Weibchen, einmal befruchtet, legt lebenslang Eier. Gegen einige Gifte entwickeln die Krabbler zudem Resistenzen. „Wir müssen unsere Techniken immer weiterentwickeln, um den Befall einzudämmen.“

Tesmer bildete angesichts der Plage sogar einen Hund zum ersten Berliner Wanzen-Suchhund aus. „Und es hat sich gelohnt – Taylor hat gut zu tun“, sagt er. In jedem Fall hoffen die Schädlingsbekämpfer auf Unterstützung durch die Gesundheitsämter – denn Ratten sind in der Hauptstadt schon länger meldepflichtig.