Berlin - Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) will mit einer neuen Kampagne die Zahl der Einbürgerungen erhöhen. Knapp 15 Prozent der 3,54 Millionen Berliner hat keinen deutschen Pass. „Diese rund 500 000 Einwohner Berlins sind unsere Zielgruppe“, sagte Kolat am Montag. Mit einer kleinen Festveranstaltung im Roten Rathaus startete sie die neue Einbürgerungskampagne „Deine Stadt. Dein Land.Dein Pass“. Mit dabei waren fünf bereits eingebürgerte Zuwanderer, die mit ihrer Geschichte Vorbilder sein sollen. „Wir wollen damit auch das Signal senden: Berlin will die Einwanderung. Berlin heißt die Menschen willkommen“, betonte Kolat.

Sie sei mit den bisherigen Zahlen von 6000 bis 7000 Einbürgerungen pro Jahr nicht zufrieden. 2011 erhielten 6959 Frauen und Männer die deutsche Staatsbürgerschaft. Im Vorjahr waren es 5537 gewesen. „Es gibt viel mehr Potenzial in Berlin“, sagte die Senatorin. Die Kampagne wende sich an alle Bürger mit Migrationshintergrund, die unschlüssig seien, ob sie einen deutschen Pass beantragen sollen.

„Wenn sich mehr und mehr Menschen dazu entschließen, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, dann stärkt dies die kulturelle Vielfalt. Unsere Gesellschaft ist geprägt von Pluralität“, unterstrich die Integrationssenatorin. Erst der deutsche Pass garantiere die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung. „Es ist auf Dauer schädlich für die Demokratie, wenn Bürger, die hier leben, nicht wählen und so unsere Gesellschaft mitgestalten können.“

Kolat sprach sich erneut für die Abschaffung der Optionspflicht und stattdessen für die doppelte Staatsbürgerschaft aus. Deshalb solle die Kampagne auch die Jugendlichen ansprechen, die sich nach dem 18. Lebensjahr entscheiden müssen, ob sie ihre durch Geburt in Deutschland erworbene deutsche Staatsangehörigkeit behalten wollen und dann die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern verlieren. Diese Jugendlichen sollen informiert und beraten werden.

„Diese Optionspflicht stößt völlig zu Recht auf Kritik, denn sie gilt für Jugendliche mit EU-Pass oder Schweizer Pass nicht“, kritisierte die Senatorin. Die CDU sei allerdings anderer Ansicht. Der integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Burkhard Dregger, begrüßte die neue Kampagne. Deutschland hänge wie jeder demokratische Staat davon ab, dass sich die Menschen mit ihm identifizierten. „Sichtbares Zeichen für diese Identifizierung ist der Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit. Das ist der Kernpunkt unserer Integrationspolitik“, sagte Dregger. Die CDU sehe momentan keinen Anlass, die Optionspflicht abzuschaffen. Sie wolle erst abwarten, wie sich das Gros der Jugendlichen entscheide. Vieles deute darauf hin, dass sich die Mehrheit für den deutschen Pass entscheide.

Die aus Südkorea stammende Chung Nog Gross lebt seit über 40 Jahren hier und ist seit 1975 Deutsche. Sie gehört zu den Vorbildern der Kampagne. Damals sei die Einbürgerung kein Thema gewesen, erzählte die 67-Jährige. Doch Reisen mit asiatischem Pass seien sehr schwierig gewesen. „Doch der tiefere Grund ist, ich fand Deutschland sehr schön und gerecht. Deutschland ist wie Paradies.“

Auch die 23-jährige türkischstämmige Muna Lekesiz steht mit ihrem Gesicht für die Kampagne. Den deutschen Pass besorgten ihr schon 1994 ihre Eltern. Sie würde heute genauso entscheiden, sagte Lekesiz. „Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich möchte dazu gehören und mitgestalten.“