Berlin - Bei sonnigem Wetter rauchen am Wochenende wieder die Grills in den Berliner Parks. Doch nicht überall, wo sich Menschen zum Steak- und Würstchen-Grillen treffen, ist das auch erlaubt. In Berliner Parks herrscht streng genommen sogar ein allgemeines Grillverbot. Einige Bezirke lassen Ausnahmen zu, aber nicht alle. Derzeit darf in 15 Berliner Grünanlagen auf 17 ausgewiesenen Flächen gegrillt werden. Viel zu wenig, sagen Politiker. Sie kämpfen für mehr Grillplätze – und ungehemmtes Brutzeln.

Wo ein Grill ist, ist auch ein Weg, dachte man sich bei der SPD-Fraktion von Mitte. Auf ihren Antrag hin hat die BVV gerade erst beschlossen, dass der Bezirk einen weiteren Grillplatz bekommen soll. Geplant ist, im Volkspark Rehberge in Wedding eine feste Grillfläche mit Sitzmöglichkeiten und Containern für Müll und Kohle-Reste zu errichten.

Kiez-Streifen gegen Wild-Griller

Damit ist ein Knackpunkt angesprochen: Wegen anhaltender Müll-Probleme war es eigentlich der Berliner Trend, die Zahl der Grillflächen zu verringern. So wurde 2012 das Brutzeln im Großen Tiergarten und im Treptower Park verboten. Illegales Grillen wird laut Umweltverwaltung mit teils heftigen Bußgeldern bestraft. Los geht es bei 20 Euro für ganz kleine Verstöße, aber „für das Ausheben von Grillgruben oder ähnliche Beschädigungen können bis zu 5000 Euro“ anfallen. Kiez-Streifen sind bei gutem Wetter regelmäßig unterwegs, um Wild-Griller auf frischer Tat zu ertappen.

Doch was sollen Berliner machen, die sich den Luxus eines eigenen Gartens nicht leisten können – und keine offizielle Grillfläche in der Nähe haben? Insgesamt fünf Bezirke bieten derzeit keinen einzigen Grillplatz an. Es sind: Marzahn-Hellersdorf, Neukölln, Spandau, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf. Im letztgenannten Bezirk ist deshalb eine große Debatte in der BVV ausgebrochen. Der FDP-Politiker David Jahn verfasste einen Antrag, in dem er eine feste Feuerstelle im Kienhorstpark forderte. Begründung: Ohne Grillplätze gebe es noch mehr Vermüllung als ohne. 

Konkret: Derzeit würden Grünflächen etwa auf der Lübarser Höhe von Wild-Grillern vermüllt. Dagegen könne der Bezirk „auf öffentlichen Grillflächen Müllbehälter auf- und eine regelmäßige Reinigung sicherstellen“, so Jahn.

BVV-Votum ist für das Bezirksamt nicht bindend

CDU und Linke ließen sich von den FDP-Argumenten für ein Pilotprojekt im Kienhorstpark überzeugen, so dass der Plan jetzt eine BVV-Mehrheit erreichen konnte. Jahn: „Ich hoffe nun, dass das Bezirksamt den Beschluss zügig umsetzt, damit wir bereits diesen Sommer grillen können.“

Dass es anders kommen kann, zeigt das Beispiel Charlottenburg-Wilmersdorf. Dort entschied die BVV schon voriges Jahr, dass es in allen großen Parks des Bezirks einen Grillplatz geben soll. Doch das Votum der BVV ist für das Bezirksamt nicht bindend. So erklärt sich, dass die drei bestehenden Grillplätze (Volkspark Wilmersdorf, Preußenpark, Goslarer Ufer) bisher nicht um weitere ergänzt wurden.

In Spandau, wo es derzeit gar keine Grillplätze gibt, kämpfen die Grünen für eine baldige Trendwende. Ihr Antrag, eine oder mehrere Flächen im Bezirk zu genehmigen, wird noch diesen Monat im BVV-Ausschuss für Bauen und Verkehr debattiert. 

Erst vor kurzem hatten Spandauer Grill-Begeisterte über den „Bürgerhaushalt“ die Idee eingebracht, eine kostenpflichtige Grillstelle einzurichten (Eintritt: 2 bis 5 Euro). Doch der Bezirk lehnte den Antrag ab. Begründung: „Bezirke, die Flächen für das Grillen freigaben, haben erhebliche Probleme, beispielsweise mit verbrannten Rasenflächen, mit dem Müll, der einfach zurückgelassen wird, mit den Kosten für die Entsorgung, mit Anwohnerbeschwerden, mit Beschwerden anderer Parkbesucher usw.“

„Sommer der Entscheidung“

Aber jetzt, wo gleich in mehreren Bezirken für das Grillen gekämpft wird, könnte der Sommer 2018 zum „Sommer der Entscheidung“ werden. In Steglitz-Zehlendorf, wo die offizielle Grillfläche im Yehudi-Menuhin-Park wieder abgeschafft wurde, setzt sich etwa die FDP für ein Umdenken ein. Es dürfe nicht sein, dass in einem Bezirk mit über 300.000 Einwohnern (und fast 37.000 FU-Studenten ) nur privat oder illegal gegrillt werden könne.

Unterm Strich fällt eines auf: Grill-Fans haben es im Ostteil unserer Stadt besser als im Westteil, wo es weit weniger Grillplätze gibt (s. Grafik). So hat der Bezirk Pankow den Mauerpark – mit Ausnahme der Spielplätze – komplett zum Brutzeln freigegeben. Er wird auch am Wochenende wieder rappelvoll sein.