Berlin-Neukölln - Im Rahmen einer neuen Anti-Clan-Strategie sucht die Polizei bei speziellen Kontrollen gezielt nach Fahrzeugen, die Mitgliedern von kriminellen Groß-Familien gehören. Am Montagabend rückten 75 Einsatzkräfte aus, teilweise waren die Beamten mit stich- und schusssicheren Westen sowie mit Maschinenpistolen ausgerüstet.

Kontrollen sind Teil des neuen Konzepts der Berliner Polizei gegen die Clan-Kriminalität

Das offen kommunizierte Ziel der Großkontrolle formuliert die Polizei so: „Aufbauend auf der Intensivierung der Kontrollen im Bereich Neukölln-Nord überprüfen wir hochwertige Fahrzeuge auf mögliche Verbindungen zu kriminellen Clanmitgliedern.“ 113 Autos kontrollierte die Polizei, zwei Wagen zog sie wegen Mängel aus dem Verkehr: ein Fahrzeug mit Panzerglasscheiben sowie ein schwarzer Jeep, bei dem bereits vor zwei Wochen bei einer Polizeikontrollen Mängel festgestellt wurden. Dieses Mal wurde der Wagen eingezogen.

Die Kontrollen, die unter anderem am Tempelhofer Damm und der Sonnenallee durchgeführt wurden, sind Teil des neuen Konzeptes der Berliner Polizei, mit dem die Clan-Kriminalität eingedämmt werden soll. Ende vergangenen Jahres hatte Polizeipräsidentin Barbara Slowik angekündigt, ein Zentrum für Analyse und Koordination zur Bekämpfung krimineller Strukturen (ZAK BkS) zu gründen. Beteiligt sind daran verschiedene Bereiche des Landeskriminalamtes und Verbindungsbeamte aus den örtlichen Polizeidirektionen in den jeweiligen Bezirken.

Berliner Polizei will die Clans „dort treffen, wo es ihnen wehtut: beim Geld“

Zudem leiten die Einsatzkräfte die Personalien von auffälligen Personen an andere Behörden wie Bezirksämter oder Jobcenter weiter. So könne theoretisch „herauskommen, dass die von uns in einem dicken Mercedes kontrollierte Person offiziell als Hartz-IV-Empfänger registriert ist“, sagte ein Ermittler. Dann kämen diese Personen in Erklärungsnot. Damit, so hofft man bei der Polizei, werde man die Clans „dort treffen, wo es ihnen wehtut: beim Geld.“

In Neukölln wird das Konzept bereits umgesetzt, andere Stadtteile sollen folgen. Wie erfolgreich die Clan-Kontrollen vom Montag waren, ist noch unklar. Der Einsatz müsse noch ausgewertet werden, hieß es am Dienstagnachmittag.