Berlin - Mit einem Piks einen Menschen retten: Hunderte Berliner haben am Sonntag spontan ihren Ausflug nach Karow verlegt. Dort reihten sie sich trotz Regen in die große Warteschlange vor der Turnhalle der Grundschule am Panketal ein, um ein paar Tropfen Blut zu spenden. Blutproben, die helfen könnten, das Leben des 36-jährigen Familienvaters Simon zu verlängern, der unheilbar an Blutkrebs erkrankt ist.

Dass der Ansturm der Menschen, die mit ihrem Blut helfen wollen, so groß wurde, damit hatte noch nicht einmal Ines Gillmeister gerechnet. Die 32-jährige Lebensgefährtin von Simon organisierte mit der Vereinigung DKMS die Registrierungsaktion, die Simons Leben verlängern soll. Am Ende gaben nach fünf Stunden über 1200 Berliner ihr Blut für eine mögliche Stammzellenspende ab.

„Ich bin überwältigt, wie viele Menschen unserer Familie helfen wollen“, sagt Ines Gillmeister. „Wir brauchen Simon. Vor allem die Kinder brauchen ihren Papa. Ohne ihn geht es nicht.“ Ihr Partner Simon kämpft seit vier Jahren gegen den Blutkrebs. Eine besonders bösartige und unheilbare Form, das multiple Myelom, hat von seinem Körper Besitz genommen.

Simons Wunsch: noch ein paar Jahre leben

Der Mechatroniker aus Karow weiß, dass er dem Tode geweiht ist. Doch er möchte wenigstens noch ein paar Jahre leben, um zu sehen, wie seine Kinder Leonard (4) und Emma (8) aufwachsen.

„Daher braucht Simon bis August eine Stammzellenspende“, sagt Partnerin Ines. „Zwölf Gewebemerkmale müssen übereinstimmen. Genau diese Zellen zu finden, gleicht der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen.“ Die Stammzellen werden aus dem menschlichen Knochenmark gewonnen.

Viele kamen mit der ganzen Familie

Ob die eines Spenders die richtigen sind, kann man im Labor vorab mittels Blutproben herausfinden. Daher gab es die Registrierungsaktion für Simon in Karow. Die Turnhalle war überfüllt mit Menschen. Viele kamen mit der ganzen Familie wie Olaf Harder mit Frau Jennifer und den Kindern Tobi und Matti. „Für uns gab es keine Diskussion. Jeden kann diese schreckliche Krankheit treffen. Da muss man helfen.“

Unterstützt wurde die Aktion von den Moderatoren Eva und Peter Imhof. Sie trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Ohne Papa geht es nicht“. So waren auch die 150 DRK-Helfer gekleidet, die ehrenamtlich bei der Blutabnahme im Einsatz waren. Zu ihnen kam auch Apo Abdurrahman. „Ich kenne Simon nicht“, sagt der 35-jährige Pankower. „Aber er ist Vater von zwei Kindern wie ich. Ein Papa hilft dem anderen, so einfach ist das.“

Melanie Wree aus Weißensee reichte ihren mit „Hope“ tätowierten Arm zur Blutabnahme. „Simons Familie darf die Hoffnung nicht aufgeben“, sagt sie. Und die Hoffnung ist groß, dass unter den 1200 Berlinern der richtige Spender darunter ist.