Kreuzberg - Wackersteine liegen mitten auf der Fahrbahn als hätten Riesen hier eine Partie Boule ausgetragen. Auf der Bergmannstraße in Kreuzberg ist ja nichts unmöglich. Passanten, die sich gerade an die grünen Punkte, die nur wenige Meter weiter vornehm verblassen, gewöhnt hatten, bleiben nun erneut staunend stehen und beobachten, wie ein Gabelstapler ein Dutzend Findlinge, einen nach dem anderen, vor sich her kullert und auf der Kreuzung Bergmann, Ecke Zossener Straße platziert.

„Am Begegnungsplatz in der Bergmannstraße werden am Mittwoch Baken und Findlinge aufgestellt. Damit wird zum einen das Experiment des Begegnungsplatzes im öffentlichen Straßenland vor der Marheineke-Markthalle gesichert und zum anderen die Behinderung der Baumaßnahme Friesenstraße durch Falschparker*innen vermieden.“ Heißt es in der offiziellen Presseerklärung des Bezirksamts.

Steine gegen Falschparker

Derjenige, der sich den kreativen Findlingsparcours ausgedacht hat, steht in der sengenden Sonne und ist sichtlich begeistert. Felix Weisbrich, der Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes, hatte die zündende Idee. Er nutze seine Kontakte als ehemaliger Förster in Mecklenburg und organisierte kurzerhand die Findlinge für einen schmalen Taler.

„Manchmal muss man kreativ sein“, sagt er. Das Ordnungsamt sei einfach nicht hinterher gekommen, die notorischen Falschparker in der Begegnungszone anzuzetteln. Die Bauarbeiten in der Friesenstraße seien immer wieder behindert worden, weil die Zufahrterschwert war. Die termingerechte Fertigstellung sei gefährdet gewesen, warnte das Bezirksamt.

Für vorerst fünf Wochen sollen die Steine nun auf der Straße liegen bleiben, einen halben Sommer lang. Weisbrich lädt Anwohner und Gewerbetreibende ein, den Stadtraum auch zu nutzen. Man könne jetzt getrost Tische und Stühle aufstellen. In knapp zwei Monaten dann hat der Amtsleiter schon neue Ideen für die Verwendung der Steine. Am Wasserfall im Viktoriapark würden immer wieder neue gebraucht, das Grünflächenamt freut sich schon auf die Brocken.