Berlin - Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen vier Brüder mit türkischer Staatsangehörigkeit wegen des Verdachts der „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“.

Yavuz D. (37), sein 33-jähriger Bruder Selim und seine Brüder Kadir (31) und Yunus (28) werden verdächtigt, „erhebliche Vermögenswerte“ für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien zu sammeln und zu liefern.

Am Mittwochmorgen durchsuchten Polizisten zunächst die Wohnungen von Yavuz D. an der Alboinstraße und die von Kadir D. am Grazer Damm. Weil die Polizei Hinweise hatte, dass Selim und Yunus D. bewaffnet sein könnten, zogen sie Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) hinzu. Diese stürmten dann die zwei Wohnungen der Männer in einem Haus an der Pallasstraße. Letztlich fanden die SEK-Beamten bei den Männern unter anderem eine Schreckschusswaffe, die nicht ordnungsgemäß gelagert war, und zogen sie ein.

„Die Durchsuchungen verliefen erfolgreich“, sagte ein Polizeisprecher. Genauere Angaben zu der Razzia, die unter Leitung des LKA 54, der Abteilung Staatsschutz im Landeskriminalamt stattfand, machen weder Polizei noch Staatsanwaltschaft. Bei der Durchsuchung, an der mehr als 50 Polizisten beteiligt waren, beschlagnahmten die Beamten nach Informationen der Berliner Zeitung 26 Nachtsichtgeräte verschiedener Hersteller, die offenbar für den Abtransport nach Syrien bestimmt waren. Die Polizei muss jetzt ermitteln, ob die Geräte gekauft oder gestohlen sind.

Zehn Jahre Haft drohen

Beschlagnahmt wurden auch Ferngläser, diverse Handys, ein PC sowie zwei Laptops, von denen einer den Ermittlungen zufolge gestohlen ist. Den vier Männern sollen westliche Geheimdienste auf die Spur gekommen sein, die dann die deutschen Behörden informiert haben. Die Beschuldigten wurden allerdings nicht festgenommen. Sie befinden sich auf freiem Fuß.

Laut Paragraf 89a des Strafgesetzbuches (Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat) droht den Männern bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Die Sicherheitsbehörden schätzen, dass derzeit rund 60 Berliner nach Syrien ausgereist sind, um sich dem bewaffneten Dschihad anzuschließen. Am meisten Sorgen bereiten ihnen die Rückkehrer, die Anschläge in Deutschland verüben könnten.

Berliner Rapper hält abgeschnittenen Kopf hoch

Einer der Ausgereisten ist der Berliner Denis Cuspert, von dem vor einigen Tagen ein neues Video auftauchte, dessen Echtheit von den Behörden noch immer geprüft wird. Cuspert, ein vorbestrafter Krimineller, hatte bis vor vier Jahren noch als Rapper „Deso Dogg“ in Wedding Kariere gemacht und nennt sich nun „Abu Talha al Almani“. In dem neuen Film, mit dem Cuspert gern Jugendliche für den bewaffneten Dschihad begeistern möchte, ist zu sehen, wie ein Mann bestialisch ermordet wird. Ihm wird mit einem Messer der Kopf abgeschnitten. Denis Cuspert hält den abgeschnittenen Kopf hoch.

Folgen Sie unserem Kriminalreporter Andreas Kopietz auf Twitter