Potsdam - Wie die staatliche Vogelwarte des Landesumweltamts mitteilte, gibt es in der Mark aktuell 1662 Brutpaare. Vor sechs Jahren waren es noch 2700. Ornithologe Torsten Ryslavy nennt als eine Ursache hierfür den Einfluss des Waschbären. Dieser dezimiere die Bestände. Gezielt gingen die Räuber in Kormoran-Kolonien, um sich Eier und Jungtiere zu holen.

Aber auch gezielte Vertreibungsaktionen durch den Menschen wie am Alten Wochowsee (Oder-Spree) hätten in den vergangenen Jahren mit für den Rückgang gesorgt, sagt Ryslavy. Im Jahr 2010 wurde nach Angaben des Landesfischereiverbandes (LFV) bei genehmigten Aktionen in der Brutzeit der Schlupf von fast 1000 Jungvögeln verhindert.

Netze über Zuchtteiche

„Es gibt aber immer noch zu viele Kormorane im Land“, sagt Geschäftsführer Lars Dettmann. Der Schaden durch Fischklau in Zuchtteichen hätte im vergangenen Jahr knapp 700.000 Euro betragen, 100.000 Euro mehr als ein Jahr zuvor. Einen Ausgleich durch den Staat gebe es für die Fischer nicht.

Teichwirte könnten sich nur mit Vertreibungsaktionen wehren, betont Dettmann. Netze über die Zuchtteiche zu spannen, sei viel zu teuer. Ein Hektar Netz koste bis zu 20 000 Euro. „Wir bewirtschaften in Brandenburg aber eine Fläche von 2000 Hektar.“

Unmut bei Anwohnern

Der Naturschutzbund (NABU) hingegen schlägt Alarm, weil der Kormoran-Bestand nicht mehr groß genug für eine gesunde Vermehrung sei. „Notwendig ist eine Population von 2 000 Brutpaaren“, sagt NABU-Landeschef Tom Kirschey. Als großen Erfolg bezeichnet er es deshalb, dass das Verwaltungsgericht Potsdam Ende 2010 entschieden hat, dass die Vögel in Brandenburger Schutzgebieten in Ruhe gelassen werden müssen (Az. 5 K 1522/08).

Am Scharmützelsee regt sich bei Anwohnern und Wassersportlern Unmut wegen der schwarzen Vögel: Eine Kolonie von 300 Brutpaaren hat sich neu angesiedelt. „Es stinkt nach Ammoniak. Die Wasserqualität leidet unter den Tieren, sie koten alles voll“, sagt ein Hobbyangler aus Bad Saarow.

„Schlechtere Wasserqualität durch Vogelkot können wir nicht bestätigen“, heißt es hingegen im Umweltamt des Landkreises Oder-Spree. Natürlich leide die Vegetation auf der Insel. Aber das sei nun mal in der Natur so und müsse im Vogelschutzgebiet hingenommen werden.(dpa)