Der Bund will für seine Bediensteten in Berlin neue Wohnungen bauen – und fängt im Regierungsviertel schon mal damit an. Im Erweiterungsbau für das Bundeskanzleramt, dessen Pläne am Dienstag präsentiert wurden, soll jedenfalls eine neue Wohnung für das Regierungsoberhaupt entstehen. Sie liegt ganz oben, im sechsten Geschoss, wie die Berliner Zeitung erfuhr. 250 Quadratmeter soll die Wohnung haben.

Ansonsten soll der Erweiterungsbau vor allem aus einem Grund entstehen: Um die steigende Zahl der Mitarbeiter des Kanzleramts an einem Standort unterzubringen, wie Kanzleramtschef Helge Braun sagte. Das im Jahr 2001 fertiggestellte Kanzleramt war für 460 Mitarbeiter gebaut worden.

Mittlerweile sind aber 750 Beschäftigte für die Regierungszentrale tätig. Rund 200 arbeiten laut Helge Braun zurzeit an anderen Standorten wie zum Beispiel dem Bundesministerium für Bildung und Forschung am Kapelle-Ufer. 90 Mitarbeiter seien durch die Doppelbelegung von Büros im alten Kanzleramt untergebracht worden.

400 Büros mit Blick auf den Park

So wie das 2001 bezogene Kanzleramt soll auch der Erweiterungsbau nach Plänen der Berliner Architekten Axel Schultes (75) und Charlotte Frank (59) entstehen. Der am Dienstag präsentierte Entwurf sieht den Bau eines 22 Meter hohen, bogenförmigen Bürogebäudes vor, das die Gestalt des jetzigen Kanzlerparks übernimmt. Insgesamt sind rund 400 Büros geplant.

Sie gruppieren sich um Atrien, die Licht ins Innere bringen oder bieten einen Blick in den Park. Darüber hinaus entstehen eine Kindertagesstätte, ein Veranstaltungsbereich, eine Kantine und – über den Dächern – ein neuer Hubschrauberlandeplatz. Außerhalb des Erweiterungsbaus soll ein Post- und Logistikgebäude errichtet werden.

Den Bau der Dienstwohnung begründete Kanzleramtschef Braun damit, dass das Regierungsoberhaupt einen Rechtsanspruch darauf habe. Es könne sein, dass sich ein künftiger Kanzler oder eine Kanzlerin darauf berufe. Die ehemalige Wohnung im achten Stock des jetzigen Kanzleramts wird nicht für Wohnzwecke genutzt. Sie dient laut Braun repräsentativen Zwecken oder als Raum für Koalitionsrunden. Die Kosten für den Erweiterungsbau werden auf 460 Millionen Euro geschätzt.

Architektin Charlotte Frank wies aber darauf hin, dass Stichtag für die Kostenermittlung der 18. November 2018 sei. Bis zur Fertigstellung werde bei den Kosten „sicher eine andere Höhe“ erklommen. Die Planung, Genehmigung und Ausschreibung des Projekts soll sich bis zum Jahr 2023 hinziehen. Danach sollen die Bauarbeiten starten, sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Petra Wesseler. Geplant ist, dass der Erweiterungsbau 2027 fertiggestellt und im Jahr 2028 bezogen wird.

Wege bleiben geöffnet

Die jetzigen Wege am Kanzlerpark, darunter die bei Joggern und Spaziergängern beliebte Strecke an der Spree, sollen weiter öffentlich zugänglich bleiben. Neben der Brücke, die es zwischen Kanzleramt und Kanzlergarten bereits jetzt gibt, ist eine weitere Fußgängerbrücke geplant. Über die Brücken sollen die Beschäftigten des Kanzleramtes zwischen Haupthaus und Erweiterungsbau pendeln können. Die rund 90 Meter langen Brücken sind jedoch nicht wettergeschützt.

Dass es keinen Architektenwettbewerb für den Erweiterungsbau gegeben hat, begründete die Präsidentin des BBR damit, dass sowohl die städtebauliche Planung für den Spreebogen als auch der Entwurf für das jetzige Kanzleramt von den Architekten Schultes und Frank stamme. Es hätte die Gefahr bestanden, dass sie Urheberrechtsansprüche geltend machen.

Ihr preisgekrönter städtebaulicher Plan für ein Band des Bundes, bei dem sich die Bauten von Regierung und Parlament in einer Linie von Ost nach West ziehen, hatte bereits eine Bebauung am Ende des Kanzlerparks vorgesehen. So, wie er jetzt entstehen soll. „Wir hätten uns mit Händen und Füßen gewehrt“, bestätigte Schultes die Annahme.

Kritik an den Bauplänen gibt es von der Opposition. „Wenn Donald Trump ein zweites Weißes Haus bauen würde, würden alle sagen, der Mann ist verrückt“, sagte die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Linke). „Wenn die Kanzlerin jetzt ein zweites Kanzleramt bauen will, dass teurer als das erste ist, dann habe ich den Eindruck, dass die Kanzlerin offensichtlich in einer ganz anderen Welt lebt.“ Die Linke werde einer solchen Geldverschwendung „niemals zustimmen“, kündigte Lötzsch an.