Karaoke im Berliner Mauerpark: Bezirk Pankow verbietet berühmtes Sonntags-Spektakel

Berlin-Pankow - Ausgerechnet im 30. Jahr des Mauerfalls verbietet das Bezirksamt Pankow das legendärste Wochenendspektakel der Stadt – das Sonntags-Karaoke im Mauerpark.

Seit zehn Jahren lädt der Ire Gareth Lennon unter dem Künstlernamen Joe Hatchiban auf dem früheren Mauerstreifen zur Mitsing-Show ein. Und tausende Besucher, darunter etliche Touristen, machten begeistert mit. 23 Mal im Jahr durfte Hatchiban bisher seine Boxen und das Mikro anschalten. Etliche Videos seiner Show gibt es im Internet zu sehen.

Frühestens ab Sommer 2019 wieder möglich

Doch in diesem Jahr genehmigt die Bezirksbehörde das Karaoke nicht mehr in gewohnter Weise. Denn die Berliner Wasserbetriebe haben im Mauerpark einen unterirdischen Stauraumkanal errichtet und dafür jetzt 19 Schächte zur Belüftung und für Reinigungsarbeiten angelegt. Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) erkennt deswegen „Gefahrenstellen“ wie Bauzäune und Baugruben, die Veranstaltungen wie das Karaoke „bis auf weiteres nicht zulassen“, erklärt Kuhn der Berliner Zeitung. „Frühestens ab dem Sommer 2019“ könnte das Karaoke wieder erlaubt werden. Bisher startete die Show zu Ostern.

Die Berliner Wasserbetriebe wollen an dem Verbot nicht schuld sein. „Nur weil wir im Mauerpark bauen, muss das Karaoke nicht verboten werden“, sagt Sprecher Stephan Natz. Besucher seien nicht in Gefahr. „Wir sichern die Schächte mit Bauzäunen.“ Anwohner, Künstler und Politiker protestieren jetzt in Videobotschaften gegen die Entscheidung der Behörde.

„Karaoke ist wichtiger als das Bezirksamt”

Schriftsteller und Mauerparkkenner Wladimir Kaminer sagt, vor allem in Zeiten, in denen Europa in Gefahr sei, „brauchen wir Orte, an denen Menschen jenseits der Politik aufeinandertreffen, miteinander reden und miteinander singen. Karaoke ist wichtiger als das Bezirksamt.“
Der Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup (SPD) meint, in einer Zeit, in der Berlin immer teurer werde und in der die guten und spannenden Plätze verschwinden, sei es wichtig, dass Orte wie der Mauerpark und das Karaoke erhalten bleiben, „weil sich Menschen aus aller Welt dort ausleben, Spaß haben und sehen: Berlin ist cool und Berlin ist für alle da.“

Doch einige Anwohner reagieren zunehmend genervt auf den Wochenendtrubel mit den vielen Straßenmusikern, die im Park spielen. Der Bezirk hat das Musizieren bisher geduldet. Doch seitdem sich Nachbarn beschweren, kontrollierten Ordnungsamt und Polizei häufiger als sonst. Straßenmusikern haben sie die Instrumente weggenommen. Neuerdings richtet sich der Anwohner-Protest auch gegen die Karaoke-Show. Unter dem Motto „Ein Park für alle“ sucht Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) einen Kompromiss. Er will den Mauerpark aber auch nicht totbefrieden.

Bezirksamt Pankow muss Farbe bekennen

Ist die aktuelle Baustelle für die Verwaltung jetzt ein willkommener Anlass, die Karaoke-Show zu verbieten? Das vermutet Pankows früherer Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD). Er sagt, die bezirkliche Verwaltung habe in jedem Jahr versucht, neue Steine in den Weg zu legen. Und nur durch den Eingriff der politisch Verantwortlichen konnten sie aus dem Weg geräumt werden.

Und so fordert Alexander Puell vom Verein Freunde des Mauerparks von Sören Benn jetzt, „endlich Farbe zu bekennen“. Puell sagt: „Das Bezirksamt Pankow muss sich entscheiden: Arbeitet es an einer konstruktiven Lösung oder möchte es den Kulturbetrieb im Mauerpark komplett einstellen?“ Bürgermeister Benn sagt der Berliner Zeitung, er werde überprüfen, ob die Entscheidung der Verwaltung so Bestand habe. Sein Ziel sei es, dass das Karaoke auch während der Bauarbeiten genehmigt werde.