Berlin bekommt ein neues Ankunftszentrum für Geflüchtete. Nach Informationen der Berliner Zeitung soll auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Klinik im Reinickendorfer Ortsteil Wittenau in den kommenden Monaten dafür ein neues Gebäude in modularer Bauweise errichtet werden. Dort werden neu ankommende Flüchtlinge in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft in Berlin untergebracht.

Gleichzeitig werden auf dem Gelände auch Verwaltungen wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und das Berliner Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) Räume beziehen, um das Asylverfahren der geflüchteten Menschen an einem Ort zu bearbeiten. Auch Beratungsstellen und medizinische Einrichtungen werden auf das Gelände ziehen. Ärzte untersuchen alle Flüchtlinge nach ihrer Ankunft, Frauen können einen Schwangerschaftstest machen. Die Mehrbettzimmer sind einfach ausgestattet, es gibt drei Mahlzeiten am Tag. So legt es das Bundesgesetz fest. 

Ankunftszentrum im ehemaligen Flughafen Tempelhof soll geschlossen werden

Offiziell wollen sich die beteiligten Behörden noch nicht zu dem Projekt äußern. Es heißt, „in Kürze“ werde der Senat dazu eine Vorlage beschließen, womöglich schon diesen Dienstag. Ende nächsten Jahres, so der Plan, soll das neue Ankunftszentrum bezugsfertig sein. 

Dann wird das bisherige Ankunftszentrum in Hangar 1 und 2 des früheren Flughafens Tempelhof geschlossen. Wegen seiner notdürftigen Einrichtung - es gibt nur offene enge Schlafkabinen und keine Privatsphäre – haben der Flüchtlingsrat, Unterstützergruppen und Beratungsstellen den Senat immer wieder kritisiert. Jede Person hat etwa zwei Quadratmeter Platz. Seit August 2016 werden die Hangars für Flüchtlinge genutzt. Der Flüchtlingsrat fordert, sie „umgehend zu schließen“. Zum Registrieren und Bearbeiten ihrer Anträge werden die Flüchtlinge mit Bussen in ein Bürogebäude an der Bundesallee in Wilmersdorf gefahren. Flüchtlingshelfer werfen dem Senat auch vor, „die menschenunwürdige Unterbringung im Tempelhofer Flughafen dauerhaft zu etablieren“. Dabei hat Berlins Integrationssenatorin Elke Breitenbach (Linke) selbst die Unterbringung von Flüchtlingen in den Hangars als „unerträglich“ und „prekär“ bezeichnet. 

Jahrelange Suche führte schließlich zum Erfolg

Der Senat steht unter Druck. Denn im Koalitionsvertrag haben SPD, Linke und Grüne bereits 2016 festgelegt, Groß- und Notunterkünfte, insbesondere die Hangars in Tempelhof, „zügig zu schließen“ und die Geflüchteten „bedarfsgerecht und nachhaltig“ unterzubringen. 

Nach drei Jahren Suche hat sich der Senat nun für einen geeigneten Ort auf dem Gelände der Nervenklinik entschieden. Der Klinikkonzern Vivantes hat diesen Standort aufgegeben, das landeseigene Berliner Immobilienmanagement (BIM) kümmert sich um die weitere Nutzung der Gebäude und Flächen. 

Im Oktober kamen wieder mehr Flüchtlinge nach Berlin

So gibt es in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Idee, dort ein neues Viertel mit preisgünstigen Wohnungen zu errichten. Das sei aber noch nicht entschieden, heißt es aus dieser Verwaltung. Im neuen Ankunftszentrum wird es Platz für knapp 400 Flüchtlinge geben, eine bestehende Gemeinschaftsunterunterkunft auf dem Gelände wird dann geschlossen. 

Im Oktober sind wieder mehr Flüchtlinge nach Berlin gekommen als in den Monaten zuvor. Waren es bisher bis zu 700 Asylsuchende im Monat, registrierte das LAF im Oktober 1046 Personen, die überwiegend aus Syrien, Iran, Irak und der Türkei gekommen sind. „Damit sind in diesem Monat so viele Menschen als Asylbewerber nach Berlin gelangt wie seit Gründung des LAF im Sommer 2016 nicht“, sagt Sascha Langenbach, Sprecher des LAF.