Karl-Georg Wellmann: Altgedient und bestens vernetzt

Kaum der Jungen Union entwachsen, steckte Karl-Georg Wellmann Anfang der 80er-Jahre als Anwalt eines Beschuldigten mit einem Bein im Antes-Skandal um Schmiergeld und Filz, der die West-Berliner CDU beutelte und manchen Politiker ins Gefängnis brachte.

Sein erstes politisches Amt übernahm Wellmann 1981, als er persönlicher Referent von Sozialsenator Ulf Fink wurde. 2001 wurde er Chef des Ortsverbandes Dahlem, im Mai 2013 schließlich Vize-Vorsitzender des Kreises Steglitz-Zehlendorf.

Wie gut Wellmann in der Union vernetzt ist, zeigte sich auch, als er nicht nur das Mandat für Rüdiger Landowsky in dessen Streit mit der Bank Berlin Hyp in Folge des Bankenskandals übernahm, sondern die langjährige graue Eminenz der Partei auch im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur CDU-Spendenaffäre vertrat.

Doch selbst beste Verbindungen verhinderten nicht, dass Wellmann in seiner Partei immer wieder Angriffe überstehen musste – selbst nachdem er es längst in den Bundestag geschafft hatte (ab 2005). So pflegte er enge Bande zu Parteifreund und Notarskollege Michael Braun. Nachdem Braun Anfang 2012 nach nur zwölf Tagen als Justizsenator aufgeben musste, schielte er auf Wellmanns Bundestagsmandat – und unterlag. Eine Freundschaft zerbrach, schrieben Beobachter. Aus jener Zeit stammt auch die Konkurrenz zu Thomas Heilmann, der nicht nur Brauns Nachfolger als Justizsenator, sondern auch Kreischef wurde.

Umstrittene Äußerung zum Germanwings-Absturz

Im Bundestag blieb Wellmann zunächst ein Hinterbänkler. Ein erster Coup gelang ihm, als er im Januar 2012 als erster CDU-Politiker öffentlich den damals bereits schwer Bobbycar-geplagten Bundespräsidenten Christian Wulff zum Rücktritt aufforderte. Die überregionale Presse schrieb von einem „gewissen Karl-Georg Wellmann“, der keck den Sturz einleitete.

Eher in die Kategorie Rohrkrepierer fiel ein Statement kurz nach dem Absturz der Germanwings-Maschine im März 2015. Kurz bevor der Bundestag eine Schweigeminute für die 150 Todesopfer abhielt, schrieb Wellmann: „Vor Germanwings kann man nur noch warnen. Überalterte Maschinen und miserabler Service. Mit denen werde ich nicht mehr fliegen.“ Einhellige Empörung seiner Abgeordnetenkollegen war Wellmann gewiss, seine Fraktion strich ihn für die folgende Parlamentsdebatte von der Rednerliste.

Zu dem Zeitpunkt hatte Wellmann längst ein Faible für Außenpolitik entdeckt. Er ist Berichterstatter der Unionsfraktion für Russland, Weißrussland und die Ukraine und war als Wahlbeobachter der OSZE in der Ukraine unterwegs. Für Aufsehen und Auftritte in Talkshows sorgte das Einreiseverbot, das russische Behörden 2015 gegen ihn verhängten. Aus ihrer Sicht hatte Wellmann die Russen allzu einseitig für den Konflikt verantwortlich gemacht. Ein anderes Mal preschte er vor, als er nicht nur deutsche Waffenlieferungen für Kurden im Irak forderte, sondern auch Bodentruppen – freilich ausdrücklich nicht der Bundeswehr! – im Anti-IS-Kampf in Syrien. Zu beidem sollte es bekanntlich nie kommen.