Nach tagelangem Schweigen hat sich die Deutsche Wohnen am Mittwoch erstmals zum Kauf von rund 700 Wohnungen an der Karl-Marx-Allee geäußert. „Die Deutsche Wohnen wird die im Oktober 2018 erworbenen Bestände in der Karl-Marx-Allee in ihre Bewirtschaftung übernehmen“, sagte Unternehmenssprecherin Manuela Damianakis.

„Wir freuen uns, unseren Bestand in Berlin um dieses außergewöhnliche städtebauliche Ensemble erweitern zu können.“ Die historischen Bauten an der Karl-Marx-Allee passten „sehr gut“ in den Bestand der Deutsche Wohnen, da sie „außergewöhnlich viel Erfahrung mit der Bewirtschaftung denkmalgeschützter Immobilien“ habe. „Die Bauten der Karl-Marx-Allee gehören zur gleichen, hochkarätigen Liga wie unsere Unesco-Welterbestätten Hufeisensiedlung, Siemensstadt, Wohnstadt Carl-Legien und Weiße Stadt“, so Damianakis. „Wir hoffen, durch ein Gesprächsangebot an den Mieterbeirat der Siedlung ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter aufbauen zu können.“ Das erste Gesprächsangebot werde dem Mieterbeirat „zeitnah“ unterbreitet.

Bezirk prüft gesetzliches Vorkaufsrecht

Wie berichtet, sind die Mieter nach dem Verkauf ihrer Wohnungen in Sorge. Die Deutsche Wohnen gilt als ein Vermieter, der eine rigide Mieterhöhungsstrategie verfolgt. Der Mieterbeirat kritisierte, dass bei dem Verkauf rechtliche Grundsätze wie das Vorkaufsrecht der Bewohner unterhöhlt würden. Durch die Verträge sei eine Kreditaufnahme bei einer Bank mit Grundbuchsicherung noch vor der Eigentumsumschreibung ausgeschlossen.

Aus diesem Grund will der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die Möglichkeit des treuhänderischen Erwerbs der Wohnungen durch eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft prüfen. Hierbei würde eine städtische Gesellschaft die Wohnungen übernehmen und weiter an die jetzigen Bewohner vermieten.

Für rund 80 Mietwohnungen, die im Milieuschutzgebiet Weberwiese liegen, prüft der Bezirk zudem das gesetzliche Vorkaufsrecht.