Die Freude ist groß. „Wir haben erreicht, was wir wollten“, sagt Norbert Bogedein, Vorsitzender des Mieterbeirats der Karl-Marx-Allee. Über Monate hatten Bogedein und viele andere Mieter aus der Karl-Marx-Allee in Friedrichshain gegen den geplanten Verkauf ihrer Wohnungen an die Deutsche Wohnen protestiert – und für die Übernahme der Wohnungen in Landesbesitz demonstriert. Am Montag kam die erleichternde Nachricht, dass die 670 Wohnungen in die Hände der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag übergehen. Der Einsatz habe sich gelohnt, so Bogedein.

Ein Kaufpreis wurde nicht genannt, er dürfte aber im dreistelligen Millionenbereich liegen. Dass es Kritik an der Übernahme gibt, kann Bogedein nicht verstehen. „Es gibt immer Leute, die an allem etwas auszusetzen haben“, sagt er. Die Preise seien vielleicht hoch, sie lägen aber nicht über dem Preisniveau, das derzeit in Berlin erzielt werde.
Der CDU-Abgeordnete Christian Gräff übt Kritik. „Nach unbestätigten Medienberichten soll der Kaufpreis für die 670 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee bei 4.000 bis 4.500 Euro je Quadratmeter gelegen haben“, erklärte Gräff am Dienstag. Insgesamt hätte der Erwerb das Land Berlin damit mehr als 200 Millionen Euro gekostet. „Wir wollen Klarheit darüber, ob hier die Wirtschaftlichkeit noch gegeben ist, oder ob der Senat einen viel zu teuren Spekulationspreis bezahlt hat“, so Gräff. „Dazu erwarten wir jetzt zügig eine Wirtschaftlichkeitsberechnung, die vom Rechnungshof geprüft und anschließend offengelegt werden muss.“

Viel Wohnraum in die öffentliche Hand

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) äußerte sich ebenfalls skeptisch. Zwar könnten Wohnungsankäufe durch das Land im Einzelfall sinnvoll sein, wenn der Preis stimme, sagte BBU-Vorstand Maren Kern. Klar sei auch: „Ein solches Vorgehen schafft keine einzige neue Wohnung. Das wird das Wohnungsproblem in Berlin nicht lösen. Hier hilft nur Neubau.“ Außerdem könne man jeden Euro nur einmal ausgeben, mahnte Kern. Aktuell sei das finanzielle Polster des Landes womöglich gut. „Das kann sich aber ändern.“ Im BBU sind viele Genossenschaften und kommunale Unternehmen organisiert – aber auch die Deutsche Wohnen.

Innerhalb der Regierungskoalition wird der Ankauf verteidigt. „Wir freuen uns sehr, dass der lange Weg zu einem erfolgreichen Ergebnis geführt hat und die drei Blöcke an der Karl-Marx-Allee nun insgesamt von einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft übernommen werden können“, sagte Carola Bluhm, Fraktionschefin der Linken. „Damit sind wir unserem Ziel, möglichst viel Wohnraum in die öffentliche Hand zu bringen und dadurch bezahlbare Mieten zu sichern, wieder einen Schritt nähergekommen.“ (mit dpa)