Vom Bäcker über Handyläden bis zu Bekleidungsgeschäften – die Karl-Marx-Straße ist eine der wichtigsten Einkaufsstraßen Neuköllns. Allerdings ist das Flanieren auf den engen Gehwegen neben der vierspurigen Fahrbahn wenig angenehm, die Straße ist auch eine der zentralen Verkehrsadern im Bezirk. Zwischen Neuköllner Tor und Hermannplatz sind hier PKW, Fahrradfahrer und Lieferverkehr rund um die Uhr unterwegs. Mit der weiteren Umgestaltung der Karl-Marx-Straße soll jetzt die Einkaufsqualität verbessert werden. Die Arbeiten für den dritten Bauabschnitt zwischen Uthmannstraße und Briesestraße beginnen.

Die Karl-Marx-Straße solle wieder attraktiver werden, sagt Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). Grundlage für die Neugestaltung ist ein Gutachten aus dem Jahr 2006, das empfahl, die vierspurige Fahrbahn auf einen Fahrstreifen pro Richtung zu reduzieren. „So können wir die Gehwege verbreitern“, sagt Blesing. Neben dem Gehweg wird ein Streifen als Ladezone für die Belieferung der Geschäfte eingerichtet. Außerdem wird ein durchgehender Fahrradstreifen geschaffen, der mehr Sicherheit für Radfahrer verspricht. „Die großflächigen Umbauarbeiten der Straße hat außerdem die BVG zum Anlass genommen, die Tunneldecke des U-Bahnschachtes zu sanieren“, so Blesing.

Sitzbänke und Radständer

„Überall wo es möglich ist, schaffen wir Fahrradabstellmöglichkeiten“, so Blesing. Auch neue Straßenmöbel, wie beispielsweise Sitzbänke und Laternen, werden aufgestellt, um die Straße zum Bummeln attraktiver zu machen. 2010 haben die Bauarbeiten im ersten Abschnitt, dem südlichen Teil der Karl-Marx-Straße begonnen. Ende letzten Jahres wurde die Umgestaltung des zweiten Bauabschnitts, zwischen Jonasstraße und Uthmannstraße, beendet. „Bisher haben wir mit allen Bauarbeiten immer im Plan gelegen“, so der Stadtrat.

Der 350 Meter lange Abschnitt zwischen Uthmann- und Briesestraße, der offiziell am 6. April diesen Jahres begonnen wird, birgt besondere Schwierigkeiten. „Hier ist die Flucht zwischen den Wohnhäusern an der östlichen und westlichen Straßenseite sehr eng“, so Blesing. Das lässt wenig Spielraum für die Bauarbeiten. Vor allem die Tunnelsanierung muss eng an die Fundamente der Häuser herangeführt werden. Schwierig sei auch der geplante Einbau eines Aufzugs am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße. 2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Zwischen 2018 und 2020 folgt dann der letzte Bauabschnitt, zwischen Briesestraße und Weichselstraße. Im Jahr 2020 soll alles fertig sein. Dann könnte die Karl-Marx-Straße in neuem Glanz erstrahlen.

Schwierige Zeit für Händler

Bis dahin ist es jedoch noch ein steiniger Weg, vor allem für den Handel auf der Straße. So lange die Arbeiten dauern, muss die Karl-Marx-Straße in den entsprechenden Abschnitten gesperrt und der Verkehr über Seitenstraßen umgeleitet werden. Die lange Straßensperre bedeutet für viele Inhaber einen Einnahmeverlust. Zur Unterstützung der Geschäfte ist das City-Management eingesetzt. „Wir stehen eng mit den Händlern und der Bauleitung in Kontakt und versuchen zu informieren, zu vermitteln und Lösungen zu finden“, sagt Susann Liepe.

Die Probleme liegen in der eingeschränkten Sichtbarkeit, fehlender Laufkundschaft und schlechten Parkplatzmöglichkeiten für die Kunden, aber vor allem auch für den Lieferverkehr. „Wir versuchen da konkrete Lösungen zu finden in den Einzelfällen“, so Liepe. An regelmäßigen Informationsabenden berichten sie den Geschäftsinhabern über neue Entwicklungen und versuchen beide Seiten, die Bauleute und die Händler, für die jeweils andere Situation zu sensibilisieren. Darüber hinaus hat das City Management die Kampagne „Deine Läden brauchen dich“ gestartet, um die Neuköllner Kunden über die Schwierigkeiten aufzuklären. Trotz Einnahmeverlusten sähen die Unternehmer die Umbaumaßnahmen nicht nur negativ. „Auf lange Sicht soll das ja zu einer Verbesserung führen“, so Liepe. Bisher habe es auch kaum komplette Geschäftsaufgaben gegeben.

Finanziert wurde der erste Bauabschnitt im südlichen Teil aus den Geldern von Stadtumbau West. Die Finanzierung der anderen Bauabschnitte wird aus dem Programm Aktive Zentren aus Landes- und Bundesmitteln getragen. Für den Abschnitt zwischen Uthmann- und Briesestraße sind, für die straßenbaulichen Umbauarbeiten 1,5 Millionen Euro vorgesehen.