Wustermark - Wie schmeckt ein Erdbeerbrot? Wie würzig eine Erdbeerbratwurst? Und ist Erdbeerbier wirklich süß?

Aus der kleinen roten Beere, die von Natur aus eine Nuss ist, hat der Unternehmer Robert Dahl aus Rövershagen bei Rostock im Laufe seines Lebens ein florierendes Geschäft gemacht. Und er expandiert mit seinen Familienbetrieb Karls 1921. Der 43-jährige Unternehmer erntet jährlich etliche Tonnen Erdbeeren auf seinen Feldern um Rövershagen, einen Großteil davon verkauft er nicht nur an der Ostsee und in Schleswig-Holstein, sondern auch in Berlin und Brandenburg, wo etwa 230 der rote Verkaufsbuden in Erbeerform stehen.

In Wustermark, Ortsteil Elstal, nur wenige Kilometer von Berlin entfernt, können Besucher jetzt alles über die Erdbeerproduktion erfahren und die vielen Produkte kosten, die man aus der roten Frucht herstellen kann. Am 1. Mai eröffnet Karls Erlebnisdorf an der Bundesstraße B 5 mit etlichen Attraktionen für Kinder und Erwachsene.

Mehr als eine Millionen Besucher

Es ist das fünfte Erlebnisdorf, das Robert Dahl im Laufe der vergangenen Jahre gebaut hat. Und es spricht vieles dafür, dass auch sein jüngstes Projekt in Brandenburg erfolgreich sein wird. Auf den Ur-Erlebnishof in Rövershagen kamen 2013 mehr als eine Million Besucher, den Erlebnishof in Zirkow auf der Insel Rügen besuchten 750.000 Menschen, in Warnsdorf bei Lübeck wurden im vergangenen Jahr 550.000 Gäste gezählt. Robert Dahl zählt fünf Adjektive auf, wenn er nach seinem Erfolgsrezept gefragt wird: familiär, liebevoll, mit einem Augenzwinkern, kreativ, großzügig und authentisch.

Der Erlebnishof in Wustermark, neun Millionen Euro hat der Bau gekostet, ähnelt dem im Rövershagen. Es gibt einen großen Bauernmarkt mit Fruchtweinen, Tee, Wurst und Käse, auch Steinguttöpfe, Präsentkörbe und Gartendeko sind um Angebot. In Friedas Hofküche (Frieda hieß Dahls Großmutter) wird regionale Hausmannkost zubereitet, „mit Butter und Sahne, nicht mit Geschmacksverstärkern“, wie er betont. Im Erdbeercafé Elisabeth (so der Name seiner Mutter) werden Erdbeerkuchen und Crêpes mit heißer Erdbeersoße serviert. In der großen Scheune sind etwa 7000 Kaffeekannen an den Wänden der ausgestellt. Kunden haben sie gesammelt, so wie die Kannen in der Rostocker Scheune. Das ist Kundenbindung. Besucher bringen auch ihre alten Küchenschränke und Regale vorbei, in denen die Waren aussehen wie zu Zeiten der Großeltern.

Denn auch das gehört zu Dahls Erfolgsrezept: Das Erlebnisdorf, erbaut auf einer ungenutzten Wiese, erscheint, als stünde es schon ewig dort. Für den Bau der Scheunen und Häuser verwendete Robert Dahl nur alte Steine, Ziegel, Bohlen und ausrangierter Bleche. Rost bleibt erhalten und ein alter Kochtopf wird zur Lampe. „Wir benutzen, was andere wegschmeißen“, sagt Dahl.

Und so bedient das neue Wustermarker Erlebnisdorf nicht nur den Trend nach Wiederverwertbarkeit genutzter Materialen (Upcycling) sondern auch nach den tollen Rezepten unserer Großmütter: Blechkuchen und Sauerteigbrot, angerichtet in bäuerlichem Schick. Zurück zur Natur. Hinzu kommt ein Familienangebot mit Streichelzoo und – bei Interesse – einem Besuch im Wildpark der Heinz-Sielmann-Stiftung, der auf knapp 4 000 Hektar Fläche an das Erlebnisdorf grenzt. Wisente, Wildpferde und Rotwild leben dort.

Für Kinder gibt es im Erdbeerdorf eine Kartoffelsackrutsche, einen Irrgarten und Abenteuerspielplätze, die Ferkelsuhle und Verwunschene Villa heißen. Besucher können eine Bonbonmanufaktur besuchen, eine Hofbäckerei und eine Marmeladenküche. In einem alten Bus läuft ein 20-minütiger Film über den Tagesablauf auf den Erdbeerfeldern. Um vier Uhr morgens geht es dort los. „Ich bin auf dem Erdbeerfeld groß geworden“, sagt Robert Dahl. Sein Großvater Karl baute vor mehr als 90 Jahren in Bentwisch bei Rostock Obst und Gemüse an, auch Erdbeeren.

Enkel Robert Dahl setzt diese Tradition fort und hat in den vergangenen Jahren ein komplettes Familienunterhaltungsprogramm rund um die Erdbeere konzipiert. Und er zeigt sich großzügig dabei. Wer einen Erlebnishof besucht, zahlt keinen Eintritt, die meisten Attraktionen sind kostenlos. „Wer will, kann seine Butterbrote mitbringen“, sagt Dahl. Um genügend Gäste und Kunden macht sich der Erdbeerproduzent keine Sorgen. Auf den Parkplatz in Wustermark passen knapp 900 Autos.

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