Elstal - Es regnet – das sind nicht gerade die besten Bedingungen für einen Freizeitpark, dessen Hauptattraktionen unter freiem Himmel stehen. Trotzdem stehen am Freitag bereits am Vormittag etwa 300 Autos auf den Parkplätzen von Karls Erlebnishof in der Nähe von Elstal (Havelland).

Karls Erlebnishof ist so etwas wie der wahr gewordene Kindertraum für Erdbeerfans. Die Betreiberfamilie sind ursprünglich Bauern und haben 1993 zuerst in Rövershagen bei Rostock einen Erdbeerhof eröffnet. Dort gab es bald mehr als Beeren, Kaffee und Kuchen. Karls Prinzip ging schnell über das hinaus, was sonst bei Tausenden Bauerhöfen bundesweit üblich ist, wenn die ihre Beeren oder ihren Spargel als Direktvermarkter auf dem eigenen Hof verkaufen und dazu ein Hofrestaurant betreiben und vielleicht einen Streichelzoo und einen Spielplatz.

Immer eine Nummer größer

Bei „Karls“ ist das grundsätzlich eine Nummer größer. Besonders an dem Standort westlich von Berlin, den es nun seit 2014 gibt. „Wir haben hier in Elstal in den vergangenen Jahren 35 Millionen Euro investiert“, sagt Robert Dahl, der Chef des Familienbetriebes, der sich gern als Zirkusdirektor bezeichnet. „Wir haben hier am Standort 200 Mitarbeiter ganzjährig und etwa eine Million Besucher.“

Die Attraktionen sind natürlich da, damit die Leute möglichst lange bleiben, Spaß haben und Geld ausgeben. So gibt es in Elstal die beliebte Rutschbahn, von der die Kinder aus zwölf Metern Höhe auf Kartoffelsäcken in die Tiefe sausen; es gibt Hüpflandschaften, einen Wasserspielplatz, eine Achterbahn, eine Riesenschaukel, ein Klettersilo, eine Go-Kart-Bahn. Auf Schienen fahren Traktoren durch die Landschaft. Insgesamt sind es 39 Attraktionen.

365 Tagen im Jahr von 9 bis 18 Uhr

Auf dem Hof werden auch noch all die Dinge verkauft, die in den Manufakturen vor Ort hergestellt werden: die Erdbeermarmelade, das Eis, der Kuchen, die Gummibeeren, die Chips und das Essen in den Restaurants.

Das funktioniert im Sommer ganz prächtig, denn die Familie Dahl hat neben Elstal nur Standorte in klassischen Touristengebieten. Vier Erlebnisdörfer stehen an der Ostseeküste: bei Rostock, auf Rügen, auf Usedom und bei Lübeck.

Aber das Prinzip ist, dass bei „Karls“ an 365 Tagen im Jahr von 9 bis 18 Uhr geöffnet ist. An diesem regnerischen Freitag ist es in Elstal nur knapp über null Grad, und die Kartoffelrutschbahn – an der die Kinder im Sommer in sehr langen Schlangen anstehen – ist nass und kinderleer.

300 Tonnen Eis wurden verbaut

Trotzdem ist die riesengroße Scheune mit der größten Kaffeekannensammlung der Welt schon ganz gut gefüllt. „Ich war zuerst ein Eis essen, wie immer “, sagt die vierjährige Mariella Kehlberg aus Dresden. „Das schmeckt so schön nach Erdbeeren.“ Das blonde Mädchen freut sich, mal wieder hier zu seien. „Das machen wir immer so, wenn wir zu Oma und Oma nach Berlin fahren“, erzählt ihre Mutter.

Und Mariella sagt, dass sie schon acht Mal hier war, dass sie sich soeben ganz genau angeschaut hat, wie Gummibärchen hergestellt werden. Diese Manufaktur ist die neue Attraktion, mit der an diesem Sonnabend die Wintersaison eröffnet wird. „Und jetzt gehe ich in die Eiswelt“, sagt Mariella.

Dort stehen Eis-Skulpturen in einer großen Halle: riesige Schnecken, Prinzessinnenkutschen und viele Märchenmotive, aber auch ein Traktor in Originalgröße, bei dem das Eis mit Lebensmittelfarbe rot gefärbt wurde. Mariella bleibt – trotz der Kälte von minus zehn Grad – immer wieder stehen und staunt. „Am besten ist die Eis-Kutsche mit dem Einhorn“, sagt sie.

„Es wurden 300 Tonnen Eis verbaut“, erzählt Ottmar Schiffer-Belz, der die Eis-Shows seit Jahren organisiert. Alle Kunstwerke seien inspiriert vom Film „Alice im Wunderland“. „Dieses Mal waren 24 Künstler aus zwölf Ländern dabei. Darunter auch Weltmeister in ihrer Kunst.“

Standortwahl der Betreiber ist clever

Das Prinzip ihrer ländlichen Freizeitparks wollen die Betreiber weiter perfektionieren. Derzeit wird auf dem Nachbargelände – wo die Kasernen der 1994 abgerückten russischen Armee zerfallen – ein Feriendorf mit Bungalows und Hotels gebaut. „Dort investieren wir acht Millionen Euro“, sagt Robert Dahl.

Die Standortwahl der Betreiber ist clever. Denn Berlin hat keinen Prater wie Wien. Und die gesamte Region ist – wenn es um Vergnügungsparks geht – noch immer eine recht weiße Karte. Das ist eine Folge der deutschen Teilung, als West-Berlin und das Umland getrennt waren. Und auch der Ost-Berliner Freizeitpark im Plänterwald ist seit 2001 eine Landschaft mit zerfallenen Karussells.

Wenig Konkurrenz im Osten

Und so sind die größten Freizeitparks der Bundesrepublik sehr weit weg in der westdeutschen Provinz: der Europapark Rust (Baden-Württemberg), das Phantasialand in Brühl (Nordrhein-Westfalen), das Legoland in Günzburg (Bayern).

In Ostdeutschland gibt es neben Karls eigenen Höfen eigentlich nur zwei ernsthafte Konkurrenten: die tropische Erlebniswelt Tropical Islands nördlich des Spreewaldes. Sie befindet sich in der weltgrößten Halle, in der ursprünglich Luftschiffe gebaut werden sollten. Dann gibt es noch einen klassischen Freizeitpark namens Belantis bei Leipzig, der früher – weil es sonst nichts anderes gab – mit dem Spruch geworben hat: „Berlins neuer Freizeitpark“.

Die Ausgangsbedingungen für Karls Erlebnisdorf sind also gut. „Wir haben hier vor den Toren von Berlin noch viel vor“, sagt Roland Dahl. „Wir wollen in die erste Liga der Freizeitparks aufsteigen.“