Die Bagger sind schon angerückt: Am Römerweg gibt es eine tiefe Sandgrube, dort, wo früher Studenteninternate aus den 1950er-Jahren standen. Am Mittwoch wurde in Karlshorst der Grundstein für die Treskow-Höfe gelegt, eines der derzeit größten Neubauprojekte der städtischen Wohnungsbaugesellschaften. Rund 400 Mietwohnungen wird die Howoge auf dem früheren Gelände der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) an der Treskowallee/Römerweg bauen. Ende 2015 soll der Wohnkomplex mit fünf- bis siebengeschossigen Häusern fertig sein.

Bildband als Erinnerung

Nur eines der vier alten Studentenwohnheime, das Haus an der Treskowallee, bleibt bestehen. Es wird saniert. Die anderen Internate sind schon längst Geschichte, sie waren baufällig und wurden abgerissen. In einem von der Howoge herausgegebenen Bildband, den fünf Studenten der HTW gestalteten, bleibt die Erinnerung an ein Stück Stadtgeschichte erhalten. Denn die Häuser waren ein Heim auf Zeit für Tausende Studierende, auch aus dem Ausland. Diese wurden in der angrenzenden Hochschule für Ökonomie, einer DDR-Kaderschmiede, ausgebildet, nach der Wende bis in die späten 90er-Jahre an der HTW.

Aber auch Studenten anderer Hochschulen wie beispielsweise der Humboldt-Universität wohnten in den Internaten. Der Fotoband dokumentiert nicht nur den Verfall des Komplexes, der 15 Jahre leer stand. Das Buch macht auch mit einigen ehemaligen Bewohnern bekannt, die zu einer „Spurensuche“, so der Titel des Bands, vor Ort eingeladen wurden. Die Männer und Frauen, heute zwischen Mitte 40 und weit über 70 Jahre alt, erinnern sich an ein strenges Reglement, vor allem in den Anfangsjahren. Doch sie berichten auch von lockeren Küchensitten, von Elektroherden, wo ohne Pfanne auf der Platte gebraten und gebacken wurde. Und natürlich sind auch die durchzechten Nächte im Studentenclub unvergessen.

Ein Quartier für alle Generationen

Diese wird es so auf dem Gelände nicht mehr geben. Denn das neue Howoge-Projekt ist vor allem für Familien gedacht, aber auch für Singles und Senioren. „Wir entwickeln ein Quartier für alle Generationen und Bevölkerungsschichten“, sagte Howoge-Geschäftsführerin Stefanie Frensch bei der Grundsteinlegung, an der auch ein sichtlich gut gelaunter Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und ein entspannt wirkender Bausenator Michael Müller (beide SPD) teilnahmen.

Denn das Karlshorster Projekt gehört zur Senatsstrategie, neuen Wohnraum mit bezahlbaren Mieten in Berlin zu schaffen. Mit Preisen zwischen 7 und 10,50 Euro netto kalt pro Quadratmeter wird die Miete in den Treskow-Höfen zwar nicht wirklich billig sein, aber für breite Schichten erschwinglich. Und: „Jede neue Wohnung ist eine, die insgesamt mietpreisdämpfend wirkt“, sagte Frensch. Zudem werde die Gesellschaft durch einen hohen energetischen Standard der Häuser und effiziente Grundrisse der Wohnungen zum Sparen bei der sogenannten zweiten Miete, den Betriebskosten, beitragen.