Berlin - Beim Karneval der Kulturen in Kreuzberg sind am Pfingstwochenende mehrere Frauen sexuell belästigt worden. Was wir über die Übergriffe wissen und was nicht:

Wie viele Opfer gibt es insgesamt?

Das ist nicht bekannt. Bislang haben sich neun Frauen bei der Polizei gemeldet, acht Strafanzeigen gingen ein. Die Beamten halten es aber für möglich, dass sich noch weitere Opfer melden und ermutigen in diesem Zusammenhang auch andere Betroffene dazu.

Was ist den Frauen passiert?

Die Opfer sollen beim Tanzen von einer Männergruppe umringt und an den Brüsten, am Gesäß und den Schenkeln gegen ihren Willen berührt worden sein.

Wann haben die sexuellen Übergriffe stattgefunden?

Der erste Fall ereignete sich bereits am Freitagabend. Das 16 Jahre alte Opfer meldete sich aber erst am Samstag über seine Mutter bei der Polizei.

Am Samstag gab es zwei weitere Vorfälle - dabei wurden ein 17 Jahre altes Mädchen sowie eine 18-Jährige belästigt. Die Polizei schritt ein.

Andere Frauen wandten sich an den nächsten Abenden direkt an Polizisten. Zwei Opfer gaben Anzeigen erst am Ende des Wochenendes über das Internet ab.

Wo haben die Übergriffe stattgefunden?

Als Tatorte wurden die Blücherstraße und der Blücherplatz sowie der Mehringdamm und das Waterloo-Ufer genannt.

Wie viele Tatverdächtige gibt es?

Mindestens vier verdächtige Männer sind laut Polizei bisher bekannt. Es handelt sich dabei um zwei 17-jährige Jugendliche mit türkischer Nationalität sowie einen 14-Jährigen mit deutscher Nationalität und ausländischer Herkunft. Verdächtig ist außerdem ein 40-jähriger Türke.

Gibt es Zeugen?

Ja. In zwei Fällen haben weitere Besucher des Karnevals der Kulturen eingegriffen und den Frauen geholfen. Ein 27-jähriger Mann filmte und griff ein, obwohl ihn die Täter aggressiv verscheuchen wollten, so die Polizei. Der Film soll ausgewertet werden. Es werden aber weitere Zeugen gesucht.

Wurden die mutmaßlichen Täter verhaftet?

Alle Tatverdächtigen wurden festgenommen, bis auf einen wurde aber gegen sie kein Haftbefehl erlassen. Nur gegen 40-jährigen Mann gibt es einen Haftbefehl - allerdings soll er zusätzlich ein Handy gestohlen haben.

Es wird auch von Diebstählen berichtet. Hängen diese Straftaten mit der sexuellen Belästigung zusammen?

Sieben weitere Verdächtige wurden bei dem Fest wegen Trickdiebstählen mit Antanzen ohne sexuelle Nötigung festgenommen. Zudem wurden elf weitere mutmaßliche Diebe gefasst. Diese Taten haben nach Angaben der Polizei aber nichts mit der sexuellen Belästigung zu tun. Nur ein Tatverdächtiger - der 40-jährige Mann - soll sowohl gestohlen als auch eine Frau sexuell belästigt haben.

Was passiert jetzt?

Die Fälle werden jetzt von der Ermittlungsgruppe „Antänzer“ im Landeskriminalamt bearbeitet. Sie wurde neu gegründet und arbeitet seit 1. April dieses Jahres. Die sechs Beamten befassen sich mit all den Taten, die rund um das Antanzen begangen werden. Die Übergänge zwischen den Diebstählen und den Fällen sexueller Nötigung seien fließend, deshalb gebe es nur eine Ermittlungsgruppe, so die Polizei. (BLZ)