Für einen prächtigen Prunkwagen hat es nicht mehr gereicht. Dazu war die Zeit zu knapp. Aber immerhin: Wenn an diesem Montag der Ruf „D’r Zoch kött!“ durch Aachen schallt, wird Eddi I., Karnevalsprinz von Berlin, dabei sein. Der 67-Jährige aus Reinickendorf und sein Gefolge fahren beim Rosenmontagszug auf einem eigenen Wagen mit. In der Karnevalshochburg Aachen kann der Prinz tun, was ihm in diesem Jahr in Berlin verwehrt bleibt: winken, feiern, Kamelle werfen.

Die Aachener Karnevalisten hatten Prinz Eddi I. und Prinzessin Katharina I. sowie ihrem Gefolge Asyl gewährt, nachdem sie die unfrohe Botschaft aus Berlin gehört hatten. Erstmals seit 2001 gibt es in diesem Jahr keinen Karnevalsumzug in der Hauptstadt. Die Berliner Jecken seien an den Auflagen des Senats gescheitert, sagt Eddi I., alias Edmund Braun, Installateur-Meister im Ruhestand. So durfte die Lautstärke während des Umzugs über den Kurfürstendamm nicht mehr als 75 Dezibel betragen, was der Lautstärke einer Fahrradglocke entspricht. Geld und Sponsoren fehlten. Im November sagten die Berliner ihren Zug ab.

Berliner nicht überzeugt vom Karneval

Für Prinz Eddi I. war das besonders bitter. Die Regentschaft als Karnevalsprinz sollte der krönende Abschluss seiner jahrzehntelangen Bemühungen um mehr Frohsinn an der Spree sein. Nach dieser Faschingssaison will er sich aus dem aktiven Karneval zurückziehen. Braun ist seit 18 Jahren Präsident des Festkomitees Berliner Karneval. Außerdem ist er seit 1981 Präsident des „Vereins der Aachener zu Berlin“. Denn der gebürtige Berliner ist in Aachen aufgewachsen – was wohl seine Begeisterung für die organisierte Heiterkeit und die guten Kontakte zu den Aachener Karnevalisten erklärt.

„Karneval macht einfach Spaß“, sagt Braun. Wirklich überzeugt hat er die Berliner davon noch nicht. Die sonst so feierfreudigen Hauptstädter können mit dem Karneval wenig anfangen. In den vergangenen Jahren wurden zwar schon mal mehrere Hunderttausend Schaulustige beim Berliner Umzug gezählt. Doch viele kostümierten sich nicht mal, die Stimmung war mau.

22 Karnevalsvereine gibt es in der Stadt, mit rund 3000 Mitgliedern. Es sei nicht wahr, dass der Berliner Karneval nur von Zuzüglern aus dem Rheinland am Leben gehalten werde, sagt Braun. „In Berlin und Brandenburg wird seit ewigen Zeiten Karneval gefeiert.“ Er hofft, dass irgendwann wieder ein Karnevalszug durch Berlin rollt. „Wir arbeiten dran“, sagt er.