Kühne Pläne: So soll das neue Karstadthaus am Hermannplatz aussehen.

Foto: Chipperfield Architects

BerlinIm Streit um die geplante Neugestaltung von Karstadt am Hermannplatz hat der Investor Signa am Dienstag überraschend einen neuen Kooperationspartner präsentiert. Zusammen mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo will Signa „bezahlbare Mietwohnungen“ und „alternative Wohnkonzepte“ realisieren, teilte der Investor mit.

Die beiden Unternehmen hätten  eine Absichtserklärung für eine Zusammenarbeit geschlossen. Unter Einbeziehung einer Sanierung und Modernisierung von bereits vorhandenen Altbauwohnungen an der Hasenheide sollen danach insgesamt 3000 bis 5000 Quadratmeter Wohnfläche entstehen, heißt es. Die Degewo beabsichtige, die von Signa entwickelten und gebauten Wohnflächen nach der Fertigstellung dauerhaft in ihren Bestand zu übernehmen und zu bewirtschaften.

„Mit unserem Projekt wollen wir auf die akuten Bedürfnisse der wachsenden Stadt eingehen und einen Wohnanteil in das Projekt integrieren“, erklärte Timo Herzberg, Chef der Signa Real Estate Germany. „Wir freuen uns, dass wir mit der Degewo einen Partner an unserer Seite haben, der langfristig bezahlbaren Wohnraum anbietet.“ Es bestehe so die Chance, den für die Stadt so wichtigen Mix aus Handel und Wohnen zu erhalten und weiter zu stärken, sagten die Degewo-Chefs Sandra Wehrmann und Christoph Beck. Zu welchen Mieten die Wohnungen später angeboten werden sollen, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Wie berichtet, will Signa am Hermannplatz einen gemischt genutzten Neubau errichten, der äußerlich an das Kaufhaus aus den 1920er-Jahren erinnert. Die Pläne stoßen in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln auf Protest. Anwohner befürchten, dass die geplante Aufwertung in der Umgebung zu steigenden Mieten und Verdrängung führt. Mit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo als neuem Partner versucht Signa nun offenbar, den Befürchtungen entgegenzutreten. Die Bekanntgabe des neuen Kooperationspartners erfolgte einen Tag vor der für Mittwoch angesetzten Anhörung im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses zu den Plänen von Signa in Berlin.

Der Konzern plant, wie berichtet, neben dem Projekt am Hermannplatz Neubauten am Kudamm und am Alexanderplatz. In einem sogenannten Letter of Intent erklärte sich die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH vor wenigen Wochen dazu bereit, nur zwei statt der ursprünglich vorgesehenen sechs Kaufhäuser in Berlin zu schließen: die beiden Galeria-Kaufhof-Filialen im Linden-Center in Hohenschönhausen und in den Gropius-Passagen in Neukölln. Im Gegenzug sagte der Senat zu, die Bebauungsplanverfahren für die Standorte Alexanderplatz, Kurfürstendamm und Hermannplatz an sich zu ziehen.

Die Vereinbarung stößt in der rot-rot-grünen Koalition auf Kritik. Bemängelt wird, dass sich der Senat durch eine angedrohte Schließung der Kaufhäuser habe erpressen lassen.