Feuerwehrchef zu sein hat immer etwas von Traumberuf – schließlich schwärmen schon Kinder davon, und nur wenige schaffen es, den Traum auch wahr zu machen. Zu ihnen gehört unbedingt Karsten Homrighausen, Berlins neuer Landesbranddirektor, wie der Titel offiziell heißt. Er leitet von diesem Mittwoch an die größte Feuerwehr Deutschlands und, wie der 50-Jährige bei seiner Vorstellung am Dienstag kenntnisreich betonte, zugleich die „älteste Berufsfeuerwehr“. Beides sei eine besondere Ehre, erklärte Homrighausen, der mit Sondererlaubnis des Innensenators schon mal seine Uniform probetragen durfte.

Karsten Homrighausen stammt aus dem kleinen Örtchen Herdecke an der Ruhr – übrigens gar nicht so weit weg vom Geburtsort seines Vorgängers Wilfried Gräfling, der bis zum Dienstag zwölf Jahre lang die Geschicke der Berliner Feuerwehr lenkte. Karsten Homrighausen trat mit 14 in die Freiwillige Feuerwehr ein. Die Faszination des Löschens und Rettens als Beruf hat ihn seitdem nicht mehr losgelassen.

Er studierte Chemie in Bochum und promovierte dort auch. Ende der 90er-Jahre legte er die Staatsprüfung zum höheren Dienst ab und blieb gleich an der Landesfeuerwehrschule in Baden-Württemberg. Er schrieb für die Stuttgarter Branddirektion an Konzepten für eine „Feuerwehr der Zukunft“, die immer mehr auch Katastrophenschutz zu leisten habe. Dann leitete Homrighausen gleich selbst die Einsatzabteilung der Stuttgarter Feuerwehr. Zuletzt, seit 2016, war er Landesbranddirektor im Innenministerium von Baden-Württemberg.

Wochenlange Mahnwache

In Berlin erwarten ihn jetzt 4200 Mitarbeiter, davon 3000 Feuerwehrleute im Außendienst – die in den vergangenen Jahren immer mehr unter Personalnot, hohem Krankenstand, veralteter Ausstattung und schlechter Bezahlung zu leiden hatten. „Berlin brennt“ hieß daher eine Mahnwache, die wochenlang vor dem Roten Rathaus auf die Probleme aufmerksam machte.

Homrighausen äußerte sich zu diesen Dingen am Dienstag noch nicht, er wolle jetzt erst einmal seine neuen Mitarbeiter kennenlernen und die Strukturen am Ort erkunden, sagte er. Sein Dienstherr, Innensenator Andreas Geisel (SPD), bemühte sich aber rasch zu erklären, dass die rot-rot-grüne Koalition bei der leidgeprüften Berliner Feuerwehr nun eine „Trendwende“ eingeleitet habe. „Das war auch dringend nötig“, sagte Geisel. Und zählte auf: 354 neue Stellen sollen kommen, 16 Millionen Euro stünden für 98 neue Fahrzeuge bereit, für weitere zehn Millionen Euro werde man zwölf blitzneue Löschfahrzeuge bestellen. Die 24-Stunden-Schichten seien abgeschafft, der hohe Krankenstand schon jetzt reduziert, zudem würden Überstunden der vergangenen Jahre im Wert von sieben Millionen Euro bis Ende Oktober ausgezahlt.

Homrighausen soll neben der Behördenleitung auch ein Konzept für eine „Berliner Feuerwehr 2030“ ausarbeiten, sagte Geisel. Homrighausen sagte dazu selber, er bringe eben eine „hohe Verwendungsbreite“ mit.