Berlin - Der Berliner Computer-Designer Hans Hack möchte mit einer kreativen Idee auf die Leiden der Menschen im kriegsgeplagten Aleppo aufmerksam machen: Für seine Webseite "Reprojected Destruction" hat der 35-Jährige den Grundriss der syrischen Stadt auf den Berliner Stadtplan projiziert.

Seine im März veröffentlichte, interaktive Karte zeigt, wie kaputt die deutsche Hauptstadt wäre, läge sie in Syrien und würde sie - wie in den Vierzigern - erneut von Bomben-Angriffen erschüttert.

Auch für London programmiert

Als Datengrundlage diente ihm eine Studie des United Nations Institute for Training and Research, die zeigt, welcher Stadtteil in Aleppo wie stark zerstört wurde. Auch auf den Grundriss der britischen Metropole London hat Hack den Stadtplan übertragen. Als User kann man die verschiedenen Ergebnisse sehen, indem man auf Hacks Webseite zwischen den Buttons "B" (für Berlin) und "L" ( für London) hin- und herschaltet.

Je dunkler der Rotton auf der Karte, desto mehr Häuser wurden im realen Vorbild zerstört. Um die Stadtpläne möglichst detailgetreu übereinander legen zu können, arbeitete Hack eine ganze Woche lang an einem entsprechenden Computerprogramm. "Die Umrechnungen auf den Karten sollen ja Sinn machen, Berlin ist zum Beispiel doppelt so groß wie Aleppo", sagte der in Brüssel geborene Wahl-Berliner im Gespräch mit Noizz.de  über sein Projekt.

Ausgewählt habe er die Städte nicht nur, weil er schon in beiden gelebt hat, sondern auch, weil sie ähnlich aufgebaut seien wie Aleppo: "Sie haben ein Zentrum, eine zentral gelegene Altstadt und liegen im Inland." Das historische Zentrum der syrischen Stadt, die Zitadelle, befindet sich in Berlin auf der Museumsinsel in Mitte, und in England dort, wo der Tower of London steht. 

Hilfe für Flüchtlinge

Mit New York oder Hamburg hätte die Projektion nicht so gut funktioniert, weil diese Städte an der Küste liegen, so Hack. Er sei aber bereit, sein Programm weiter zu entwickeln, wenn es entsprechende Anfragen gebe.

Denn letztlich ist das Anliegen des Künstlers universell: "Es geht mir darum, ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie ein Stadtteil aussieht, wenn 60 Prozent zerstört sind." Seine Hoffnung ist, dass man durch die visuelle Erkenntnis auch die Flüchtlinge besser versteht - "wenn man weiß, was es heißt, aus einer zerstörten Heimatstadt zu fliehen".