Touristen fotografieren andere Orte als Einheimische. Das zeigen die Karten von Eric Fischer, einem Software-Entwickler aus Oakland, Kalifornien. Er hat sich die unzähligen Daten von Twitter und Flickr zu Nutze gemacht, wo man Bilder nicht nur einstellen oder verschicken, sondern auch mit dem Ort ihrer Entstehung verbinden kann.

Geotagging nennt sich das. Diese für jeden frei zugänglichen Koordinaten hat er auf Stadtpläne von 136 Metropolen weltweit übertragen. Die roten Punkte markieren, wo Touristen fotografiert haben, die blauen Punkte, wo Einheimische Bilder machen.

In Berlin fotografieren Touristen – wie vorhersehbar – vor allem die Sehenswürdigkeiten in Mitte, am Kurfürstendamm und an der East Side Gallery. Einheimische fotografieren mehr im Osten der Stadt als im Westen. In Friedrichshain zeichnen die blauen Punkte der Einwohner geradezu die Struktur der Straßen rund um den Boxhagener Platz nach. Nur auf der Warschauer Straße und der Simon-Dach-Straße mischen sich viele touristische Knipser darunter.

Daneben finden sich vom Görlitzer Park in Kreuzberg und vom Tempelhofer Feld in Neukölln die meisten Fotos von Einheimischen. Geheimtipps für Touristen sind das aber schon lange nicht mehr. In die Berlin-Karte sind die Koordinaten von 699.927 Fotos eingeflossen.

Im Vergleich zu den Bewohnern anderer Städte fotografieren die Berliner ihre Heimat recht gerne. Aus manchen pittoresken Metropolen scheint es dagegen im Netz fast ausschließlich Bilder von Touristen zu geben. Las Vegas etwa ist voller roter Touristen-Punkte. Alljährlich reisen dort etwa 38 Millionen Gäste an. Vielleicht sehen die etwa 500.000 Einwohner einfach zu viel Blitzlicht und haben keine Lust mehr eigene Fotos zu schießen.

Auch Rom und Venedig werden hauptsächlich von Touristen abgelichtet. Ob das daran liegt, dass die Italiener nicht gerne fotografieren, lässt sich aber nicht sagen. Vielleicht sind sie auch einfach vorsichtig und stellen ihre Bilder lieber nicht ins Netz.

Londoner fotografieren vor allem im Norden ihrer Stadt. Das Ufer der Themse, wo sich die Touristen herumtreiben, scheinen sie zu meiden. In New York gibt es eine Zone, wo sich Touristen und Locals gleichermaßen gerne ablichten: im Central Park. Die Wolkenkratzer in Manhattan überlassen die Einwohner dagegen den Gästen.

Ein anderes von Eric Fischers Projekten zeigt, in welchen Städten und Teilen der Welt die meisten Nachrichten über Twitter verschickt werden. Dafür hat der US-Amerikaner mehr als drei Jahre lang Tweets gesammelt – täglich um die 10 Millionen. Stadtpläne haben es ihm angetan. Wann immer er auf Datensätze stößt, macht er Karten daraus. Schon bevor es das Internet gab, verliebte er sich in Landkarten, vor allem historische Stadtpläne haben ihn früh fasziniert. Er verbrachte viel Zeit in Bibliotheken, sammelte alles, was er zu Stadtentwicklung, urbaner Geographie und Verkehr finden konnte. Heute nutzt er Daten aus dem Internet, um Städte auf verschiedene Art und Weise zu kartieren.

„Wenn man auf eine große Tabelle voller Zahlen sieht, sagt einem das erst einmal gar nichts“, sagt Eric Fischer. „Wenn man die Zahlen aber kartiert, lassen sich Muster in der Welt erkennen“. Wo bewegen sich große Mengen von Menschen hin? Was machen sie dort? Was sind ihre Vorlieben? Ihn interessieren aber auch die weißen, datenlosen Flecke auf seinen Stadtplänen.

Warum gibt es Straßen, von denen keiner ein Foto macht? Warum wird in vielen Teilen der Welt nicht getwittert? Was ist dort los? Manche Menschen finden Fischers bunte Stadtpläne schlichtweg schön. Das Museum of Modern Art in New York zum Beispiel, das einige von ihnen ausgestellt hat. Andere hängen sie sich als Poster an die Wand. Fischer nennt sich wohl deshalb auch data artist, Datenkünstler.