So viel steht fest: Je mehr Elektromobile auf den Berliner Straßen unterwegs sind, desto sauberer ist die Luft in dieser Stadt. Da stellt sich die Frage, warum der Senat nicht auch die Anschaffung von Pedelecs und Elektrorollern fördert – wie das in anderen Städten der Fall ist.

Münchener müsste man sein – zumindest wenn es darum geht, einen Elektroroller anzuschaffen. Denn die Hauptstadt des Freistaats zahlt in diesem Fall einen attraktiven Bonus. Bis zu 2200 Euro Förderprämie werden geboten: 1000 Euro als Zuschuss für die Anschaffung, weitere 1000 Euro als Abwrackprämie für den alten Roller und 200 Euro Ökobonus, wenn das neue Gefährt mit Ökostrom betrieben wird. Auch die Anschaffung von Pedelecs wird in München bezuschusst, mit bis zu 500 Euro – jedoch nur, wenn ein Unternehmer oder Freiberufler kauft.

Berlin „fördert die private Anschaffung von Elektrorollern nicht“

Wer bei den Göttinger Stadtwerken ein Ökostrom-Paket bestellt, kann sich einen E-Roller ins Haus liefern lassen. Ersparnis: bis zu 400 Euro. Ähnlich funktioniert ein Bonuspaket der Stadtwerke im westfälischen Lüdenscheid, bei dem es ebenfalls 400 Euro zu gewinnen gibt. Geringer fallen die Zahlungen in Würzburg, Erlangen und Mainz aus.

In Berlin ist man allerdings skeptisch bis ablehnend. „Wir fördern die private Anschaffung von Elektrorollern nicht – unter anderem weil die Sharingmodelle aus unserer Sicht den Bedarf derzeit gut decken“, sagte Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne).

Unternehmen wie Emmy und Coup bieten E-Roller zum Mieten an. Die Zweiräder warten auf Gehwegen auf Kunden, sie lassen sich per App buchen. Andreas Knie, Mobilitätsforscher vom Wissenschaftszentrum Berlin, sieht es ähnlich wie der Senat. „Alles, was elektrisch ist, hilft schon mal“, sagte er. „Aber wir sollten die Zahl der Gerätschaften deckeln, daher eine Förderung nur dann, wenn das Ganze im Sharing-Modus daher kommt.“

BUND plädiert dafür, die Berliner Infrastruktur zu verbessern

„Eine Förderung wäre nur dann sinnvoll, wenn Elektroroller wirklich als Alternative zum Auto genutzt werden“, sagte Tilmann Heuser vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Wenn mit ihrer Hilfe nur der Kauf eines Drittautos vermieden werden soll, wären sie nicht notwendig.

„Viel wichtiger ist aus meiner Sicht, die Infrastruktur zu verbessern, um die Nutzung von Elektrorollern zu erleichtern“ – zum Beispiel mit Parkplätzen.