Blick auf den neu gebauten U-Bahn-Tunnel unter der Museumsinsel.
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BerlinBraucht Berlin mehr U-Bahn-Strecken? Darüber wird zunehmend heftig diskutiert. Innerhalb der rot-rot-grünen Koalition setzen sich die Sozialdemokraten dafür ein, Geld bereitzustellen, damit Tunnel geplant werden können. 

Doch damit sind sie nun erneut bei Grünen und Linken abgeblitzt, berichtete der SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf am Montag. Bei den Schlussberatungen zum Doppelhaushalt hätten sich die Fraktionsspitzen trotz langer Auseinandersetzungen nicht geeinigt. Darum sehe der Etat für 2020 und 2021 keine Planungsmittel für U-Bahn-Trassen vor, sagte er. „Ich finde das sehr ärgerlich“, so Schopf.

Vor allem die Grünen hätten den Vorstoß abgelehnt. Dabei werde auch in Berlin zu Recht über die Folgen der Erderwärmung debattiert, und am 5. Dezember befasse sich der Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses mit der Forderung, in Berlin den Klimanotstand auszurufen. „Jedem ist klar, dass Berlin an allen Stellschrauben drehen muss, um das Klima zu schützen. Dazu gehört der Ausbau des Nahverkehrsnetzes“, sagte der Abgeordnete.

Zukünftige Investitionsplaung

„Darum verstehe ich nicht, warum wir in Berlin keine Vorsorge dafür treffen dürfen, außer dem Straßenbahn- auch das U-Bahn-Netz zu erweitern.“ U2, U3 und U8 sollen länger werden In Hamburg werden U-Bahn-Tunnel gebaut, in München besteht Konsens darüber, dass das unterirdische Netz wachsen soll, so Schopf. Dagegen habe Berlin, wo mit der Fertigstellung der U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor der U-Bahn-Bau 2020 vorerst endet, keine U-Bahn-Projekte in der Schublade.

Damit neue Projekte in Angriff genommen werden können, hatten die Sozialdemokraten vorgeschlagen, in den kommenden vier Jahren jährlich fünf  Millionen Euro Planungsmittel vorzusehen – zunächst im Doppelhaushalt, danach in Form von Verpflichtungsermächtigungen. Sie halten drei Projekte für vorrangig: die Verlängerung der U2 nach Pankow Kirche, den Weiterbau der U3 von Krumme Lanke zum Mexikoplatz sowie die Fortführung der U8 über Wittenau hinaus ins Märkische Viertel.

Debatte um die U-Bahn-Strecken

Sigrid Nikutta, die scheidende Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), hat sich zuletzt in einem Interview mit der Berliner Morgenpost für die Erweiterung des U-Bahn-Netzes ausgesprochen. Wie berichtet lässt der Senat von dem Landesunternehmen die Machbarkeit von vier möglichen Netzerweiterungen prüfen. „Wenn die Studien fertig sind, wird sich die Koalition zusammensetzen, und wir sehen weiter“, sagte der Grünen-Politiker Harald Moritz.  

„Ich würde aber davon abraten, in dieser Legislaturperiode mit der Planung neuer U-Bahn-Strecken zu beginnen.“ Zunächst einmal sollten die knappen Planerkapazitäten auf den Ausbau des Straßenbahnnetzes konzentriert werden. Den Vorwurf der SPD, dass die Grünen einen ideologischen Streit anzetteln, wies Moritz zurück. „Es geht darum, dass wir mit dem Ausbau des Nahverkehrsnetzes effektiv vorankommen“, so Moritz.