Berlin - Vorab ein Disclaimer: Der Autor dieser Zeilen besaß nie ein Auto, ist Fußgänger und Fahrradfahrer. Trotzdem stört ihn etwas am Konzept der Kiezblocks, die überall in Berlin aus dem Boden sprießen: Pfeiler, Poller oder Kübel, die Autos die Durchfahrt versperren, nach Vorbildern in Barcelona, Paris oder Amsterdam. 51 Kiezblock-Initiativen gibt es in Berlin, der Verein Changing Cities fordert 180 verkehrsberuhigte Bereiche. 

Vor allem Friedrichshain-Kreuzberg ist Vorreiter und Versuchsraum, die grüne Bezirksregierung schuf in der Pandemie vielerorts Fakten, im Bergmann- oder Wrangelkiez. Es ist ja auch attraktiv: Statt langer Debatten und Verfahren kann der Bezirk hier schnell handeln, sich aktiv zeigen vor den Wahlen. Viele Kinder freuten die neu entstandenen Spielstraßen im Lockdown. Aber was ist mit denen, die sich nicht freuen? Anwohner, die aufs Auto angewiesen sind, beruflich oder gesundheitlich, den kleinen Läden, die Lieferungen brauchen?

Für sie gibt es Ausnahmen, aber wenige. Ihre Bedenken werden oft weggewischt, als ewig-gestrig. So ziehen manche Menschen weg aus lebhafter werdenden Kiezen, weil sie lauter und teurer werden. Der Verkehr verlagert sich auf umliegende Straßen, bisweilen entsteht so Chaos statt Beruhigung.

Jede Maßnahme hat Folgen, positive wie negative. Langwierige Prozesse nerven, aber sie helfen, alle Seiten zu sehen. Kein Kiez ist eine Insel, der Fakten schaffen sollte auf Kosten anderer. Natürlich wird man nie alle Parteien zufriedenstellen. Im Innenstadtbereich braucht auch nicht jeder ein Auto, viele verzichten freiwillig darauf. Doch Menschen durch vollendete Tatsachen zum Verzicht zu zwingen, ist der falsche Weg.

Diskussionen mit Gegnern und Minderheiten sind anstrengend, aber das ist Demokratie. Also bitte: keine diskursberuhigten Zonen in Berlin.